FEDDERWARDERSIEL - Ihre zuletzt nur noch spärlich genutzten drei Krabbenpulmaschinen hat die Fischerei-Genossenschaft in Butjadingen „ausgelagert“. Sie befinden sich nunmehr im neuen Krabbenschälzentrum in Cuxhaven. Dort, und nicht mehr in Polen, sollen in den nächsten ein bis zwei Jahren auch 75 Prozent der in Fedderwardersiel angelandeten Granat zu Krabbenfleisch verarbeitet werden.
Das bestätigte Dennis Westphal, Geschäftsführer der Fischerei-Genossenschaft. Mit dem jetzt mit zweijähriger Verspätung in Betrieb genommenen Krabbenschälzentrum habe man bereits gute Erfahrungen gemacht. Seit acht Wochen liefert die Butjadinger Genossenschaft einen Teil ihrer Nordseekrabben nach Cuxhaven.
In dem neuen Krabbenschälzentrum, in das die Gesellschafter 3,8 Millionen Euro investierten, wird derzeit von drei Maschinen täglich eine Tonne Krabben verarbeitet. Bereits in einem Jahr sollen dort 24 je 100 000 teure Schälmaschinen in Betrieb sein, die dann pro Tag aus 7,5 Tonnen Granat 2,5 Tonnen Krabbenfleisch schälen, so die Hoffnung von Geschäftsführer Gregor Kucharewicz.
Automatische Kontrolle
In den Maschinen werden die Krabben fixiert, ihr Panzer aufgeschnitten und das Fleisch ausgebürstet. Die geschälten Krabben werden dann auf einen Nachleseband kontrolliert. Dies geschieht derzeit visuell durch Mitarbeiter, jedoch auch für die Kontrolle ist der Einsatz modernster Technologie geplant. Die Krabbenpulmaschinen aus Fedderwardersiel werden vor ihrem Einsatz in Cuxhaven ebenfalls mit der modernsten Technik nachgerüstet.
400 bis 500 Tonnen Krabben werden jährlich im Kutterhafen in Fedderwardersiel angelandet. Zwei Drittel davon gelangt in die Verarbeitung durch die Fischerei-Genossenschaft. 90 Prozent der Krabben müssen gepult oder geschält werden, damit sie als Krabbenfleisch auf den Markt kommen.
Seit zwei Jahren lässt die Genossenschaft ihre Krabben in Polen, davor sogar in Marokko, pulen. Von der Anladung und dem Verkauf sind sie somit drei bis fünf Tage per Kühltransport unterwegs.
Qualitäts-Vorteil
75 Prozent der Krabben möchte die Fischerei-Genossenschaft Butjadingen in den nächsten ein bis zwei Jahren in Cuxhaven verarbeiten lassen. Die Vorteile des neuen Krabbenschälzentrums seien die deutlich kürzeren Transportwege und -zeiten sowie damit ein großes Frische-Plus, machte Dennis Westphal deutlich. Die Kunden seien auch bereit, für eine bessere Qualität einen höheren Preis zu bezahlen.
Die in Cuxhaven geschälten Krabben kosten bei der Fischerei-Genossenschaft Butjadingen derzeit 33 Euro je Kilogramm. Für das in Polen gepulte Nordsee-Krabbenfleisch zahlt der Kunde trotz des langen Transportweges derzeit nur 28 Euro je Kilogramm.
Wegen des geringeren Preises wird die Genossenschaft, die die hochwertige Ware ihrer acht Fischer an den Mann bringen muss, auf die Zusammenarbeit mit Polen nicht ganz verzichten können. Eine Schlüsselrolle beim Qualitätsvorteil wird künftig jedoch das neue Krabbenschälzentrum einnehmen.
