FEDDERWARDERSIEL - Zunehmend Salz im Weserwasser – das bereitet schon heute erhebliche Probleme bei der Zuwässerung landwirtschaftlicher Flächen mit dem nötigen Süßwasser aus der Weser. Von der geplanten weiteren Vertiefung von Außen- und Unterweser befürchten Landwirte und Verbände eine Zuspitzung der Problemlage. „Mir ist hier vor Ort klar geworden, welche Dimension diese Problemlage hat“, sagte gestern die Abteilungsleiterin für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz, Almuth Kottwitz.
„Das Salzproblem wurde bisher unterschätzt. Es geht um eine ganze Ecke Niedersachsens, die betroffen ist. Das Problem ist jetzt schon da und es muss etwas gemacht werden“, so die leitende Beamtin Freitag nach abschließender Gesprächsrunde im Hotel „Nordseeblick“ in Fedderwardersiel.
Unabhängig von weiteren Weservertiefungen müsse ein nachhaltiges Konzept erarbeitet werden. Ein in Jahrhunderten entstandenes Zu- und Entwässerungssystem und damit ein Stück Kulturlandschaft sei dabei, kaputt zu gehen, so die Abteilungsleiterin nach ihrem Besuch mit mehreren Stationen in der Wesermarsch.
„Genau richtig“, stimmte der Vorsteher des Entwässerungsverbandes Butjadingen, Jan Dunkhase, zu und sprach damit auch im Sinne von Burchard Wulff (Vorsteher der Stadlander Sielacht), Uwe Diekmann (Vizegeschäftsführer der Wasser- und Bodenverbände im Kreis) und Manfred Ostendorf (Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes).
Ein Polder im Deichvorland ist nicht mehr in der Diskussion, weil damit die Probleme nicht nachhaltig gelöst werden können. „Das habe ich gelernt“, bestätigte Abteilungsleiterin Kottwitz.
Bestandteil des Planänderungsverfahrens für die Weservertiefung ist der Gutachter-Vorschlag, die Ufer bzw. Dämme des Zuwässerungskanals streckenweise zu erhöhen, damit vor einsetzendem Hochwasser mehr von dem dann noch salzarmen Wasser der Weser eingeleitet werden kann. Doch die Verbände haben dieser Ausgleichsmaßnahme keineswegs zugestimmt. Auch die Expertin aus dem Ministerium sagt: „Damit bekommen wir nicht das ganze Zuwässerungsgebiet in den Griff.“
Somit bleiben nur ganz große Lösungen: Bau eines neuen Einlassbauwerkes und Kanals weiter im Süden des Kreises, wo die Weser weniger salzhaltig ist. Jan Dunkhase: „Das muss kommen, wenn wir unser ökologisch wertvolles System erhalten wollen.“
Ebenfalls sehr teuer dürften Pumpstationen und Druckleitungen oder auch Wasser aus erweitertem Netz des Wasserverbandes OOWV werden. Auch diesbezüglich stimmt Almuth Kottwitz den Verbänden zu: „Die Lösung ist sehr schwierig.“
