Wardenburg - Die Füße auf dem dünnen Draht drücken die Pflanzen sanft zur Seite, jetzt muss Gärtnergeselle Reiner Hartmann ganz tief mit den Händen zum Boden. Mit geübten Handgriffen setzt er einen T-förmigen Schnitt an und schiebt ein kleines Stück einer zweiten Pflanze knapp über der Wurzel ein.
„Wenn man abends seinen Rücken nicht spürt, dann ist man krank“, sagt Hartmann und lächelt trotzdem. Er kennt die Anforderungen an seinen Beruf, schließlich ist er Vorarbeiter auf der Wardenburger Baumschule Bruno Meyer, die ihren Sitz in Fünfhausen hat. Wenige Meter neben der Oldenburger Straße, südlich des Kreisels, ist der Gärtnergeselle mit vier fest angestellten Kollegen und einem Auszubildenden seit Anfang der Woche dabei, sich durch unzählige Pflanzenreihen zu arbeiten.
Rosen lassen sich auf unterschiedliche Arten vermehren. So wie es die Baumschule Meyer macht, ist es die häufigste. Von einer Edelrose, die vermehrt werden soll, werden Triebe einer blühenden Pflanze geschnitten und deren Knospen dann knapp über der Wurzel in eine im Jahr zuvor angesäte Jungpflanze eingesetzt. Zum Abschluss wird die Veredelungsstelle mit einem Plättchen verbunden, damit beide Teile zusammenwachsen und kein Schmutz hineingerät. In ein paar Wochen ist die Schnittstelle geschlossen, im nächsten Frühjahr treibt die neue Rose direkt an dieser Stelle aus. Im Sommer stehen die Rosenfelder dann in Blüte und der Kreislauf beginnt von vorn.
100 000 Exemplare und 170 Sorten der beliebten Pflanzen wachsen in Fünfhausen jedes Jahr heran – darunter Edel-, Strauch-, Kletter- und Bodendeckerrosen. Bis zu 40 000 werden in Töpfen verkauft. Auf der etwa zwölf Hektar großen Produktionsfläche wachsen außerdem Himbeeren, Rhododendron und Koniferen.
Rosen zu vermehren ist immer noch hauptsächlich Handarbeit. „Jede Pflanze ist individuell, das Veredeln kann keine Maschine übernehmen“, sagt Firmenchef Dennis Meyer. Vor drei Jahren hat er den Betrieb seines Vaters übernommen. Damit verbunden war auch eine Neuausrichtung. Die Baumschule produziert ausschließlich für Wiederverkäufer, darunter viele Baumschulen im Ammerland und Fachbetriebe im Gartenlandschaftsbau.
