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Karl Jaspers Ferienbesuche auf dem Tantzen-Hof

Ellwürden - Der weltbekannte Philosoph und Psychiater Karl Jaspers ein Sohn des Dorfes Ellwürden? Ein verlockender Gedanke, der allerdings nicht so ganz den geschichtlichen Realitäten entspricht. Karl Jaspers ist 1883 in Oldenburg geboren und 1969 als Schweizer Staatsbürger in Basel gestorben. Dazwischen war Heidelberg die wichtigste Station seines Lebens und Wirkens. Und Ellwürden? Immerhin steht fest, dass sein Vater Carl Wilhelm in Ellwürden als Amtshauptmann tätig gewesen ist. Das war aber schon in den Jahren 1879 bis 1881 und damit zu einer Zeit, als Karl Jaspers noch gar nicht lebte.

Trotzdem gibt es eine familiäre Beziehung, die den berühmten Professor in eine enge Verbindung mit der heutigen Stadt Nordenham bringt. Genauer gesagt: mit der Bauerschaft Heering bei Abbehausen. Von dort stammte Karl Jaspers Mutter.

Als Henriette Tantzen war sie 1862 in Heering zur Welt gekommen. Ihr 15 Jahre jüngerer Bruder Theodor Johann Tantzen ging als Ministerpräsident des Freistaates Oldenburg (1919-1923) und des Landes Oldenburg (1945-1946) in die Geschichte ein.

Im Februar 1883 geboren

Henriette Tantzen heiratete am 26. Oktober 1881 in Abbehausen den Oldenburger Carl Wilhelm Jaspers. Am 23. Februar 1883 wurde der erste Sohn Karl Theodor geboren, sechs Jahre später dessen Bruder Enno. Die Familie lebte in Oldenburg, besuchte aber häufig die Verwandtschaft auf dem Tantzen-Hof in Heering. Karl Jaspers soll den Überlieferungen nach oft seine Schulferien in Heering verbracht haben.

Wie es dazu kam, dass der Vater Carl Wilhelm Jaspers zum Hauptmann des Amtes Butjadingen und damit zu einer Art Kreisdirektor berufen wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Später war er ein erfolgreicher Bankdirektor in Oldenburg.


In Ellwürden, das damals Amts- und Gerichtssitz von Butjadingen war, veranlasste Carl Wilhelm Jaspers den Bau einer öffentlichen Unterkunft für bedürftige und kranke Menschen. In dieser sogenannten „Jaspers-Villa“ an der Butjadinger Straße befand sich später die Ellwürder Landwirtschaftsschule. Heute sind dort Privatwohnungen untergebracht.

Die Verbindungen zwischen der Familie Jaspers und dem Dorf Ellwürden waren auch Thema einer Vortragsveranstaltung der Nordenhamer Goethe-Gesellschaft. 60 Besucher sorgten am Donnerstagabend im Alten Rathaus für einen rappelvollen Saal und einen freudestrahlenden Vorsitzenden Burkhard Leimbach. In seiner Begrüßung blickte er auf das Jahr 1979 zurück. Damals war er als junger Lehrer in den Amalienweg gezogen und konnte von dort auf die Villa Jaspers blicken. „Ich kannte Bücher von Karl Jaspers“, erzählte Burkhard Leimbach, „wusste aber nichts von seinen Verbindungen nach Ellwürden.“

Um die regionalen, geschichtlichen und familiären Zusammenhänge aufzuhellen, hatte der Goethe-Ortsvorsitzende zwei ausgewiesene Jaspers-Experten als Referenten eingeladen. Dabei handelte es sich um Professor Dr. Matthias Bormuth, der in der Karl-Jaspers-Gesellschaft Oldenburg das Präsidentenamt ausübt, und um Professorin Gunilla Budde, die sowohl Vizepräsidentin der Karl-Jaspers-Gesellschaft als auch der Universität Oldenburg ist.

Die beiden Vortragenden machten allerdings gleich zu Beginn des Abends deutlich, dass sie von den Jaspers-Verbindungen nach Ellwürden und Heering wenig zu berichten wussten.

Höchst interessant und informativ waren die Vorträge dennoch. Matthias Bormuth und Gunilla Budde schilderten den Lebensweg des populären Philosophen, der mit seinem freiheitlichen Denken und seiner antitotalitären Weltanschauung auch international viele Anhänger hat.

Zyankali griffbereit

Dabei gaben sie auch Einblicke in die „Brüchigkeit“, die Karl Jaspers Leben begleitet hatte. Damit bezogen sie sich auf seine schwere Lungenkrankheit, die ihm jede körperliche Anstrengung untersagte, auf den Selbstmord seines Bruders Enno, der sich 1931 das Leben nahm, und auf die schwere Zeit während der Nazi-Herrschaft, die für Karls Jaspers und dessen jüdisch verwurzelte Frau Gertrud ein ständiger Zustand der Bedrohung war. „Sie trugen immer zwei Zyankalikapseln bei sich“, sagte Gunilla Budde. Einer Deportation wären Karl und Gertrud Jaspers mit dem Freitod zuvorgekommen.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)
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