Berlin - Mehr Haltestellen, schnellere Abfertigung und mehr Fahrgäste: Das sind die Ziele, seit der Fernbus Deutschlands Straßen erobert hat. Kunden in Deutschland unternahmen 2016 mit Fernbussen 24 Millionen Fahrten – ein Plus von 4,3 Prozent gemessen am Vorjahr. Nun fragt sich die Busbranche, ob der Boom angesichts einiger Gefahren andauert. Eine Übersicht:

Die Preise

Fernbusse sind teurer geworden. Seit Marktführer Flixbus seine Rivalen ausgestochen hat, beherrschen die grünen Busse die Straßen: 92 Prozent Marktanteil. Vorbei ist die Zeit, als mit Ein-Euro-Tickets um Kunden gekämpft wurde. Der Normalpreis pro Kilometer ist binnen Jahresfrist um 13 Prozent auf 9,8 Cent gestiegen. Das geht aus Zahlen des Marktforschungsinstituts Iges für April hervor. Aktionspreise schwanken weiter um 3,7 Cent – solche Tickets werden aus Sicht der Experten aber seltener angeboten. Christoph Gipp, Iges-Geschäftsführer, erwartet, dass sich das Preisniveau allenfalls geringfügig ändert. „Besonders profitieren Kunden auf Strecken, die auch mit dem Flugzeug oder der Bahn angeboten werden.“ Denn die Bahn hält mit 19- und 29-Euro-Tickets auf vielen Strecken mit dem Fernbus mit. Autos und Mitfahrzentralen sind wegen günstiger Spritpreise Alternativen.

Das Angebot

„Der Fernbus-Boom ist vorbei“, lauteten Schlagzeilen zu Jahresbeginn. Denn die Zahl der Fahrten und Linien sank stärker als im Winter üblich, nachdem Flixbus die Konkurrenten Postbus und Megabus übernommen hatte und die Bahn-Tochter BerlinLinienBus aufgab. Vor allem der Anbieter Flixbus, der keine eigenen Busse besitzt, sondern Mittelständler unter Vertrag nimmt, gab Doppel-Fahrten der früheren Konkurrenz auf und strich unrentable Strecken. So lastete er die Busse besser aus. Die Zahl der Ziele in Deutschland bleibe insgesamt stabil, sagt Marktforscher Gipp. In Einzelfällen kämen noch neue Städte ans Netz. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer erwartet, dass 2017 mehr Menschen einsteigen.


Die Busmaut

Die Unternehmer fürchten, dass im Bundestagswahlkampf Forderungen nach einer Busmaut wieder laut werden. Ihre Verfechter finden sich bei SPD, Grünen und Linken, die die Bahn im Nachteil sehen, weil sie Trassengebühren für ihre Fahrten entrichtet. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist dagegen, die Lkw-Maut auf Busse auszudehnen.

Die Dieselkrise

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Autos könnte auch Busse in Bedrängnis bringen – falls die vielfach geforderte blaue Plakette käme. Mit ihr dürften wohl nur Fahrzeuge in die Innenstädte, die die Schadstoffklasse Euro 6 erfüllen – was längst nicht alle Busse tun.