Steinhausen - „Unser Leben ändert sich, weil Dinge wie Fernsehen, Handys, Computerspiele und Internet-Netzwerke erfunden worden sind. Sie verändern unsere Gewohnheiten. Wir sollten das nicht einfach hinnehmen, sondern uns zumindest wundern.“ Professor Dr. Heinz Buddemeier (Bremen) zeigte den Zuhörern des Gesprächskreises für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB) Donnerstagabend in der „Altdeutschen Diele“ in Steinhausen, worum es ihm geht: Er führte brutalste Gewaltszenen aus bekannten Killerspielen vor – viele konnten nicht lange zusehen.
Die Innovationszeiten würden immer kürzer. 40 Jahre brauchte das Radio, 13 Jahre das Fernsehen, vier Jahre das Internet, um jeweils 50 Millionen Menschen zu erreichen. Facebook hat nach acht Jahren eine Milliarde Teilnehmer. Im Schnitt sitzen Erwachsene vier Stunden täglich vor dem Fernseher, Kinder drei Stunden. Zwölftklässler hätten schon 32 000 Morde gesehen – gefragt, wie sie sterben würden, laute die häufigste Antwort: „Ich werde erschossen.“ Buddemeier: „Wir erfahren eine kollektive Traumatisierung durch die Gewaltdarstellungen.“ Es greift die Reizspirale, Fernsehen und Spiele würden immer krasser, in den „Videogehirnen degenerieren die Regionen, die für die Regulierung der Emotionen zuständig sind.“ Folge: Spielszenen werden ins wirkliche Leben projiziert. Der norwegische Massenmörder Anders Breivik habe Buddemeier zufolge konkrete Szenen aus einem populären Gewaltspiel nachgestellt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet Fernsehen und Computerspiele als Gerätedrogen, die jeder von Kindesbeinen an einfach zur Hand habe. Kriminologen fordern, „World of warcraft“ als nichtmonetäres Glücksspiel einzustufen – jetzt noch ab zwölf Jahre frei, dann ab 18. Die gefährlichen Handys und Smartphones: „Feine elektrische Ströme fließen in uns von Zelle zu Zelle, wichtig für die Aufrechterhaltung des Lebens.“ Dagegen stehen 260 000 Mobilfunkmasten mit tausendmal stärkerer Strahlung. Für Heinz Buddemeier sind die sich explosionsartig ausbreitenden technischen Entwicklungen „Ausdruck einer allgemeinen geistigen Krise.“ Aus dem Publikum kam die Frage nach der Rolle der Politik. Buddemeier: „Die Politiker haben kein Interesse an mündigen Bürgern. Je mehr Leute fernsehen, je mehr sind leichter zu manipulieren.“
