Hengsterholz - Ein alter Stein auf dem Kartoffelhof Moorschlatt in Hengsterholz deutet es bereits an: Hier war in Zeiten deutscher Kleinstaaterei eine Grenzregion. Welche mitunter skurrilen Auswirkungen das teils bis heute hat, das war am Sonnabend eines der Themen für die Ortsunion Süd der Ganderkeseer CDU: Sie hatte zum Hoffest eingeladen und dabei mit dem Rad auch den Kartoffelhof angesteuert.

Heiko Moorschlatt und sein Vater Dietrich führten die Gäste durch den Betrieb. Auf etwa 13 Hektar baue man 14 verschiedene Kartoffelsorten insbesondere für den Wochenmarkt an, berichteten die beiden. Allerdings: Auf einem Versuchsfeld seien mehr als 200 weitere Sorten zu finden.

Interessiert ließen sich die Besucher auch das Lager zeigen. „Ohne Chemie“, so sagte Heiko Moorschlatt, werde hier versucht, ein zu frühes Keimen der Kartoffeln zu verhindern – bei 5 Grad Celsius, bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent und Licht von grünen Neonlampen mit verminderter UV-Strahlung.

„Etwa drei Viertel der Kunden bevorzugen fest kochende Kartoffelsorten“, sagte der Juniorchef. Belana sei da am stärksten nachgefragt.

Mit der Geschichte des Hofes hatte sich Dietrich Moorschladt genauer befasst. Das „O“ auf dem Grenzstein stehe für die Oldenburger, das „H“ für die Hannoversche Seite, erklärte er.


Die unterschiedlichen Zuständigkeiten hätten beispielsweise zur Folge gehabt, dass für eine Halle des Betriebes zwei Baugenehmigungen erforderlich gewesen seien – denn zwei Drittel der Hallen-Grundfläche liegen auf Ganderkeseer Gebiet, ein Drittel liege auf Areal der Samtgemeinde Harpstedt. Ein anderes Beispiel: „Wir bekommen die Post aus Ganderkesee, unsere Nachbarn bekommen sie aus Harpstedt.“

Moorschladt streifte auch die Geschichte des Nachbarhofes Schütte. Der sei 1403 erstmals erwähnt. Als Exklave auf Oldenburger Gebiet und als Kirchspiel-Pfand habe der Hof des öfteren die Zugehörigkeit gewechselt – mal hätten hier Oldenburger, mal Hannoveraner, mal Braunschweiger oder Lüneburger gewohnt.