Grafschaft - Was haben der Gänsebraten mit Klößen und Rotkohl, der Kartoffelsalat mit Würstchen und der Grünkohl mit Pinkel gemeinsam? Genau, das sind Gerichte, die gerne für die Feiertage gekocht werden. Aber sie haben noch etwas gemeinsam: Sie alle enthalten tierische Produkte.

Müssen die Menüs für Weihnachten und Silvester grundsätzlich Fleisch beinhalten? Reinhard Hartwig findet: Nein, müssen sie nicht.

Schon als Student hat sich der heute 62-Jährige vegetarisch ernährt, heute kochen er und seine Frau gern auch vegan. Das bedeutet: Sie vermeiden nicht nur Fleisch, sondern auch sämtliche andere tierische Produkte. Das sind etwa Milchprodukte oder Eier – also alles, was irgendwie von einem Tier stammt. In seinem Fairhandelshaus Mercado Mundial mit Bio- und Hofladen in Grafschaft bietet Hartwig auch vegane Produkte an.

„Viele Menschen denken bei Gerichten dreiteilig“, meint Reinhard Hartwig und erklärt: „Ein Menü besteht demnach erstens aus einer Sättigungsbeilage wie Kartoffeln, Nudeln oder Reis, zweitens aus einer Gemüsebeilage und drittens aus Fleisch oder Fisch. Aber das geht auch anders.“

Einfach ist das allerdings nicht immer. Das hat Hartwig schon als Student gemerkt. „Fleisch stand früher nämlich für Wohlstand. Je mehr und häufiger Fleisch auf den Tisch kam, desto besser ging es der Familie finanziell.“

Deshalb hatten Vegetarier einen schweren Stand. „Ich war nach dem Studium Profi-Musiker und tourte mit meiner Band. Wenn wir irgendwo außerhalb aßen und ich ein fleischloses Gericht bestellte, wurde ich nur merkwürdig angeschaut.“ Fleisch galt als gesund, wer Fleisch aß, so hieß es, wurde kräftig und stark.


Eine Zeit lang hat Hartwig dann wieder Fleisch gegessen, wenn auch aus Bio-Haltung. Doch irgendwann reagierte sein Körper allergisch. „Und außerdem habe ich deutlich gemerkt: Das schmeckt mir gar nicht mehr – abgesehen von ethischen Gründen.“

Deshalb kochen Jutta und Reinhard Hartwig heute vegetarisch und oft auch vegan. Der 62-Jährige vermutet aber: „Es gibt Menschen, die bei dem Begriff ,vegan‘ sofort abschalten. Sie denken, dass das zu kompliziert ist. Dabei sollte man einfach experimentierfreudig sein und alles ausprobieren.“

Reinhard Hartwig selbst bezeichnet sich als „Kühlschrankkoch“. „Ich schaue einfach, was ich alles im Kühlschrank habe, und bereite daraus etwas zu.“ Und natürlich hat er Tipps: „Es gibt drei Dinge, die man immer zu Hause haben sollte: Zwiebeln, Knoblauch und Olivenöl – das sind nützliche Zutaten für vegane Menüs, damit schmeckt das Essen immer.“ Zum Beispiel angebratenes Gemüse wie Auberginen und Möhren, Kircherbsen und Grünkern.

Dazu schmecken Kartoffeln: „Am liebsten nehme ich die kleinen, koche sie erst mit Schale und brate sie dann mit Olivenöl scharf in der Pfanne an.“ In der Weihnachtszeit schmecken Hartwig übrigens auch Süßkartoffeln (ovales Bild). Und schließlich helfe bei allen Gerichten auch noch der „Zauberkasten“: Gewürze und Kräuter.

Falsch dagegen findet Hartwig den Ansatz, einen veganen Fleischersatz zu finden – der auch tatsächlich nach Fleisch schmeckt. „Da wird man als Verbraucher nur enttäuscht.“

Er kennt nämlich auch andere vegane Leckereien, die in Olivenöl angebraten und gut gewürzt sehr lecker schmecken. Seitan zum Beispiel. Das stammt aus der chinesisch-buddhistischen Küche, dort heißt es Mianjin und ist reines Weizengluten mit fleischähnlicher Konsistenz. „Wir haben uns entschieden, das in unser privates Weihnachts-Menü für dieses Jahr aufzunehmen“, verrät Hartwig.

Aber auch Räuchertofu kann der Hobbykoch empfehlen: „Das ergibt zum Beispiel zu Grünkohl den perfekten Räuchergeschmack, den viele Menschen haben möchten. Die Pinkelwurst kann man dann weglassen.“ Übrigens: Statt Schweineschmalz im Grünkohl empfiehlt Hartwig „Zwiebelschmelz“.

Weihnachtszeit bedeutet aber auch Backzeit. Damit kennt sich Jutta Hartwig aus, sie bereitet gern veganen Kuchen zu. Geht das überhaupt, so ganz ohne Milch und Eier? „Natürlich. Statt Eiern nehme ich einfach Mineralwasser – das macht den Teig sogar schön fluffig.“

Milch verwendet Jutta Hartwig eigentlich fast nie – und wenn doch, eignen sich auch Alternativen wie Reismilch, meint sie. Es gibt aber auch Soja- oder Hafermilch.

Reinhard Hartwig fühlt sich sehr gut, seitdem er sich vegetarisch und manchmal vegan ernährt. „Seitdem ich mich dementsprechend ernähre, habe ich ein ganz anderes Körpergefühl, eine unglaubliche Körperenergie und habe gar 20 Kilogramm an überflüssigem Gewicht abgebaut – irgendwie fühle ich mich jetzt viel fitter.“ Wenn das mal keine gute Voraussetzung für das neue Jahr ist. . .

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt