Ritterhude/Hannover - Jetzt ist der Staatsanwalt am Zug. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) gibt die Akten der umfangreichen Recherche in seinem Haus zum verheerenden Explosionsunglück in Ritterhude am 9. September mit einem Toten und Millionenschaden an die Ermittlungsbehörde weiter. Nach der internen Prüfung im Gewerbeaufsichtsamt Cuxhaven steht offenbar fest, dass es sich bei der Chemiemüll-Aufbereitungsfirma Organo Fluid um einen mindestens in Teilen „illegalen Betrieb handelt“, so Wenzel. Genehmigungen liegen nicht vor. Ob es sich um schlichte Schlamperei, ein strafbares Vergehen der Geschäftsführung oder Behörden-Skandal im Gewerbeaufsichtsamt Cuxhaven handelt, müssen Staatsanwälte prüfen.
Schon länger besteht der Verdacht, dass das Gewerbeaufsichtsamt seine Sorgfaltspflichten verletzt habe. Gemunkelt wurde im Ort schon seit Jahren. Gegen den Geschäftsführer des Unternehmens wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Anwohner haben bereits im November Anzeige erstattet.
Der Betrieb von Organo Fluid war ursprünglich als Destillationsanlage mit einer Feuerungsanlage zur Entsorgung der eigenen Abfälle genehmigt worden. Seit 1990 wuchs der Betrieb stetig. „Spätestens seit dem Jahr 2005“, zitiert Wenzel die Ermittlungsergebnisse, „diente die Feuerungsanlage auch der unmittelbaren Entsorgung von gleichartigen Fremdabfällen“. Nur: In den Akten findet sich keine Genehmigung. Ebenso wenig wie für eine Ausweitung der Kapazität.
Für den Umweltminister ist die Explosion von Ritterhude ein Alarmsignal, alle ähnlichen Anlagen in Niedersachsen sofort auf erforderliche Genehmigungsunterlagen zu überprüfen. Wenzel will ein regelrechtes Kataster.
