Bremen - Die Zahl der börsennotierten Unternehmen aus dem Nordwesten ist ohnehin eher überschaubar. Und nun wird die Zahl der Firmen, deren Aktien an der Börse gehandelt werden, noch einmal kleiner. Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB kündigte am Montag den Einstieg des US-Finanzinvestors KKR und den Rückzug von der Börse an. Eine entsprechende Vereinbarung mit der Eigentümerfamilie Fuchs sei bereits unterzeichnet, teilte OHB mit.
Fuchs bleibt Mehrheitseigner
KKR kündigte am Montag ein Übernahmeangebot über 44 Euro je Aktie an, mit dem das Unternehmen mit 768 Millionen Euro bewertet wird. Die Offerte beschränkt sich allerdings auf die rund 30 Prozent frei handelbaren Aktien. Die Familie Fuchs, die knapp 70 Prozent der Anteile hält, werde keine Aktien verkaufen und damit Mehrheitseigner bleiben.
Die Familie Fuchs werde „die dauerhafte Kontrolle über das Unternehmen behalten“, teilte OHB mit. Das Unternehmen, das mit knapp 3000 Beschäftigten an 15 Standorten zu den führenden Raumfahrtkonzernen Europas gehört, werde weiterhin von dem bestehenden Managementteam um den Vorstandsvorsitzenden Marco Fuchs (61) geführt. Dessen Vertrag soll um fünf Jahre verlängert werden.
Mit KKR habe die Familie „den idealen Partner gefunden, der als Minderheitsinvestor unser langfristiges Wachstum und unsere Vision unterstützt“, sagte Fuchs. Die Initiative für den Einstieg sei von der Familie ausgegangen. Den Rückzug von der Börse begründete OHB damit, dass man als privat gehaltenes Unternehmen die langfristige Strategie leichter umsetzen könne. OHB entwickelt und baut Satelliten und andere Technologien, die etwa bei der internationalen Raumstation ISS oder dem europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo zum Einsatz kommen.
KKR sicherte den Bremern den Angaben zufolge zudem eine weitere Geldspritze in Form einer Kapitalerhöhung zu. Demnach soll der Finanzinvestor ein neu ausgegebenes Aktienpaket im Umfang von zehn Prozent zum Angebotspreis zeichnen. Andere Aktionäre seien von ihrem Bezugsrecht ausgeschlossen.
KKR sieht großes Potenzial
„Der globale Markt für Raumfahrtlösungen wird weiter wachsen“, sagte KKR-Deutschlandchef Christian Ollig. „Wir sehen in Europa großes Potenzial und sind überzeugt, dass OHB mithilfe von zusätzlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung ideal für langfristiges nachhaltiges Wachstum positioniert ist.“ KKR gilt als einer der weltweit führenden Finanzinvestoren. In Deutschland ist der börsennotierte US-Konzern unter anderem am Medienhaus Axel Springer, der Marktforschungsgesellschaft GfK und dem Rüstungselektroniker Hensoldt beteiligt.
An der Börse kam die Nachricht gut an. Die OHB-Aktie kletterte am Montag bis zum Mittag um 33 Prozent auf rund 42 Euro.
