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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Großbritannien: Firmen fürchten Währungsturbulenzen

25.06.2016

Im Nordwesten Die Briten haben für den Ausstieg aus der EU (Brexit) gestimmt – und lösen damit auch in der Wirtschaft des Nordwestens Sorgen aus. Bleiben die Märkte auf der Insel erhalten? In vielen Unternehmen herrscht Gelassenheit, wie eine Umfrage dieser Zeitung im Oldenburger Land und Ostfriesland ergab. „Das wirkt sich ja nicht sofort aus“, meinte etwa Brahim Stitou, Geschäftsführer des Bagger- und Kranbauers Atlas in Ganderkesee, der zugleich „erhöhten Papieraufwand“ erwartet. Doch vielen Mittelständlern schwant offenbar, dass irgendwann echte Nachteile drohen könnten.

Der Oldenburger Händler Ulrich Zimmermann, der auf Messen in England ist und Ketten beliefert, befürchtet Zölle – statt des freien Warenaustausches. Diese könnten sich ergeben, wenn die EU zur Abschreckung „mit harter Hand“ gegenüber Britannien reagiere, es als EU-Ausland betrachte – und die Briten dann ebenfalls Zölle einführen.

Ungemach droht auch von der Währungsseite. Jan-Dieter Bruns, Chef der Baumschule Bruns (Bad Zwischenahn), hat am Freitag aufmerksam verfolgt, dass das Britische Pfund stark nachgab. „Das bedeutet, dass es für die Engländer sehr viel teurer wird, unsere Pflanzen zu importieren, und dass die in Pfund angebotenen und abzurechnenden Aufträge ebenfalls diesem Wechselkursverlust unterworfen sind“, erläutert er. Es drohten weniger Investitionen und „weniger Begrünungsmaßnahmen“.

Bruns’ Oldenburger Branchenkollegin Elke Haase vom Biotechnik-Unternehmen Piccoplant befürchtet, dass beim Export nach Großbritannien die von der EU „vereinfachten Regelungen im Bereich der phytosanitären Auflagen“ (Pflanzenschutz) entfallen könnten. „Wir rechnen mit reduziertem Export und längeren Wartezeiten an den Grenzen“, sagt sie auch mit Blick auf Papiere und Zölle.

Allgemein dürften die Unwägbarkeiten zunehmen, erwartet Malte Smolna, Geschäftsführer bei Cetex Rheinfaser in Ganderkesee. Man habe zwar nur ein „extrem geringes“ Geschäft mit Großbritannien, doch die Währungsschwankungen des Pfunds strahlten auch auf den US-Dollar aus. Über ihn würden aber 95 Prozent der eigenen Rohstoffe (Fasern) eingeführt, erläutert Smolna, der Vorsitzender des Exportleiterkreises bei der Oldenburgischen IHK ist. Wie bei vielen Firmen gab es bei ihm am Freitagmorgen gleich ein Meeting.

Da gab es wohl klare Meinungen. „Aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht entsetzt“ sei er, sagte etwa Dieter Janssen, Chef der Rolf Janssen Elektrotechnische Werke in Aurich. Er rüstet Kraftwerke oder Müllverbrennungsanlagen auf der Insel mit Schaltanlagen aus. Den Brexit werde man „als Firma nicht spüren“, schätzt er – wie andere – mit Blick auf seine gefragte Technik.

Andere Firmen sind nicht wie Janssen projektweise in Großbritannien tätig, sondern ständig – mit eigenen Standorten wie das Chemieunternehmen Remmers (Löningen), der Flugzeugbauausrüster Broetje Automation (Rastede) oder auch der Windkraftspezialist Enercon aus Aurich. „Das ist einer unserer wichtigsten Märkte“, erläuterte Sprecher Felix Rehfeld. Welche Folgen der Brexit haben werde, etwa für Preise, sei noch nicht absehbar. Bei Enercon verweist man gelassen darauf, dass man in 40 Staaten tätig sei, auch jenseits der EU – und somit unter „40 Rahmenbedingungen“. Die würden sich auf der Insel nun eventuell ändern. Daran denkt auch Sabine Schünemann, Prokuristin bei Swisslog Healthcare in Westerstede. Die Gruppe habe auch Firmen auf der Insel. Das könne nun „abwicklungstechnische Auswirkungen“ haben.

Und die Häfen? In Brake erwartet Geschäftsführer Uwe Schiemann „aus heutiger Sicht keinen Einfluss“. Anderswo ist man weniger entspannt. „Ostfriesland befürchtet den Brexit“, schrieb die Emder Zeitung und blickte dabei auch auf die Autoverladung. „Womöglich“ wäre auch der für Emden wichtige Auto-Export betroffen, war auch bei der IHK am Ort zu hören.

Klar ist: Sorgen der Unternehmen sind begründet. Großbritannien ist für die Region wichtig. Zur Insel werden 8,5 Prozent der niedersächsischen Exporte geliefert, teilten die Landes-Statistiker auf Anfrage mit. Nur die Niederlande (9,3 %) sind wichtiger.

Gert Stuke, Präsident der Oldenburgischen IHK, spricht angesichts des Brexit von einer „Zäsur“ in den Handelsbeziehungen. Er rechnet „kurzfristig“ mit einer Verteuerung hiesiger Produkte in Großbritannien – durch die Pfund-Abwertung. Manche Branche werde „ihr Engagement vor Ort neu bewerten“. Mit Verteuerungen irgendwann rechnet auch Jürgen R. Viertelhaus, Gründer der Vierol AG (Oldenburg). Die Eliten Europas hätten versagt.

Einige Unternehmer können der Entwicklung auch noch etwas Positives abgewinnen. Sten Daugaard Hansen, Geschäftsführer bei Brötje Heizung (Rastede), hält es (bei insgesamt wenig Auswirkungen) für möglich, dass eine wichtige Komponente aus Großbritannien für die Heizkessel bald billiger werde.

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Der Brexit sei ja auch „ein Weckruf, konstruktiver zu werden“, gibt Guido Grave, Geschäftsführer bei der Maschinenfabrik Herzog in Oldenburg, zu bedenken. In Bezug auf Großbritannien würden die Dinge aber erst einmal „komplizierter“. Mit Kollegen wie Brahim Stitou (Atlas) hofft er, dass die EU dann „tragbare Bedingungen für beide Seiten aushandelt“.

Mancher Unternehmer würde sein Geschäft auf der Insel sogar „gern weiter ausbauen“ – wie Jürgen Schulze mit Starofit aus Ganderkesee.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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