Bremen - In diesen Tagen ist viel von den neuen Chancen im Iran die Rede – wegen der Aufhebung von Sanktionen. Aber es gibt schon lange gute Kontakte.

So verpackten die Mitarbeiter des Transportspezialisten Carl Gluud aus Bremen kürzlich eine riesige Holzbearbeitungsanlage für den Iran. „150 Kisten mit einem Gesamtgewicht von rund 4000 Frachttonnen haben wir im Neustädter Hafen in Bremen verschifft“, erläutert Geschäftsführer Jens Dörken. Alles gut verpackt.

Und er kündigt an: Zwei weitere Sendungen werden im Frühjahr verpackt und dann ebenfalls über den Partner BLG Cargo Logistics (Bremen) auf den Weg in den Iran gebracht.

Die Holzbearbeitungsanlage ist alles andere als klein, weiß man bei Carl Gluud aus Erfahrung. Man hatte bereits 2013 und 2014 jeweils ein E­xemplar für den Seetransport vorbereitet. Für eine komplette Anlage werden rund 120 Lastwagen benötigt, von Standardgrößen und überbreiten Gespannen bis hin zu Fahrzeugen mit Überhöhe und Schwerguttransporten. Diese brachten Maschinenteile aus den Produktionsstätten in ganz Europa nach Bremen.

Das Gleiche geschieht nun auch im Rahmen des aktuellen Projekts, für das der Bremer Verpackungsspezialist „maßgeschneiderte Anzüge aus Holz“ fertigt. Zudem ist man mit weiteren Dienstleistungen über die reine Verpackungsleistung hinaus im Geschäft.


Wie Gluud setzen zahlreiche Firmen jetzt auf weitere Impulse im Export, hieß es beim Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE), einem Fachverband mit rund 400 überwiegend inhabergeführten Unternehmen aus allen Bereichen. Die Mitglieder des HPE liefern etwa Paletten, Packmittel, Kabeltrommeln, Steigen und Spankörbe aus Holz, sie verpacken auch, lagern Container und betreiben die Logistik. Viele setzen jetzt auf mehr Iran-Aufträge.

Zahlreiche Firmen auch aus Niedersachsen sind bereits im Geschäft. Von Januar bis November 2015 wurden aus Niedersachsen Waren im Wert von 93,5 Millionen Euro in den Iran ausgeführt. Die IHK-Landes-Vereinigung NIHK weiß von „gut 300 Unternehmen aus Niedersachsen“, die Geschäftsbeziehungen dorthin unterhalten, erläutert Dr. Susanne Schmitt als Hauptgeschäftsführerin.

Erklärtes Ziel der iranischen Regierung sei es, die lokale Produktion und Wertschöpfung zu erhöhen. Hierfür würden in den kommenden Jahren Investitionsgüter in Form von Maschinen und Anlagen in Milliardenhöhe benötigt. Felix Jahn (Oldenburg), der NIHK-Sprecher für den Bereich International, weist zudem darauf hin: Auch die Aufhebung der US-Sanktionen sei wichtig für die niedersächsischen Unternehmen. Sie müsste nun keine Rücksicht mehr nehmen.

Konkrete Absatzmärkte ergäben sich laut NIHK für niedersächsische Unternehmen unter anderem in den Bereichen Fahrzeugbau, Maschinenbau, Energietechnik, Umwelttechnik, Wasser- und Abwassermanagement, Agrarwirtschaft, Baustoffe sowie im Gesundheitssektor.

Und das alles muss natürlich für den Transport verpackt und verladen werden – wie bei der Firma Gluud in Bremen.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)