Bonn/Garrel - Seit Jahren steht die Fleischbranche in Deutschland wegen vielfach schlechter Bezahlung und des massiven Einsatzes von Werkvertragsarbeitern in der Kritik. Am Dienstag machten die vier großen Schlachtkonzerne im Bereich Schwein und Rind – Tönnies, Vion, Westfleisch und Danish Crown – nach langer Diskussion nun doch den Weg für Verhandlungen über einen Mindestlohn frei. Gemeinsam mit den Geflügelzerlegern, der sogenannten Weißfleischbranche, will die „Rotfleischbranche“ eine Tarifgemeinschaft bilden und Verhandlungen mit der Gewerkschaft NGG aufnehmen, wie mehrere Unternehmen bestätigten.

Außerdem sollen Standards zur Ausgestaltung von Werkverträgen festgelegt werden. Dazu gehörten etwa Mindeststandards für Unterkünfte, Integrationsangebote und Beratung.

„Ich bin froh, dass wir die Kuh jetzt vom Eis haben“, sagte Clemens Tönnies, Chef des größten deutschen Schweinefleischkonzerns (Rheda-Wiedenbrück), gegenüber dieser Zeitung. „Wir werden die Verhandlungen mit der NGG begleiten und hoffentlich schnell zu einem Ergebnis kommen.“ Tönnies versprach neben dem flächendeckenden Mindestlohn auch einheitliche und verbindliche Standards, „die gesellschaftlich und politisch eine breite Akzeptanz finden“.

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung- Genuss-Gaststätten (NGG), Claus-Harald Güster, begrüßte die Bereitschaft zu Verhandlungen. „Jetzt gilt es, einen zeitnahen Termin zu finden und auch inhaltlich weiterzukommen. Wir sind gespannt.“

Die NGG hatte die Fleischbranche am Vortag zu Gesprächen über einen Mindestlohn aufgefordert. Sie fordert einen Einstiegslohn von 8,50 Euro.


Als „sehr positiv“ bezeichnete der Generalbevollmächtigte des Geflügelproduzenten Heidemark (Garrel), Johannes Hermann Eiken, den Schritt der vier Schlachtriesen. Der Zentralverband der Geflügelunternehmen hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, diesen Weg beschreiten zu wollen.

„Jetzt passt das. Alle namhaften Unternehmen sind dabei. Wir müssen schließlich alle ein Interesse daran haben, diese Diskussion zu beenden. Ich glaube, das ist der schnellste Weg“, sagt der Heidemark-Generalbevollmächtigte.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft