Oldenburg/Hannover - Der europäische Pferdefleisch-Skandal hat eine neue Dimension erreicht: In Deutschland sind immer mehr Bundesländer und Unternehmen von dem Lebensmittelbetrug betroffen. Nach der Metro-Tochter Real entdeckte die Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Fertiggerichten, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Tausende Lasagne-Packungen verschwanden aus den Kühlregalen. In Großbritannien wurden drei Männer festgenommen. Sie stehen im Verdacht, Betrug in Zusammenhang mit Lebensmitteln begangen zu haben. Die Männer wurden in Fleischverarbeitungsbetrieben in Südwest-Wales und der englischen Grafschaft West Yorkshire festgenommen, teilte die Polizei mit. Zuvor hatte es in London Hinweise auf Rückstände von Medikamenten in Pferdefleisch gegeben.

Im Landkreis Verden wurde ein Kühlhaus geschlossen. Die Produkte wurden gesperrt, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Eine Firma in Nordrhein-Westfalen, die unter anderem vom französischen Pferdefleisch-Verarbeiter Comigel beliefert wird, habe Waren in diesem Kühlhaus gelagert. Proben würden derzeit in Nordrhein-Westfalen untersucht. Comigel steht im Verdacht, statt Rind- Pferdefleisch geliefert zu haben.

„Ein Gesundheitsrisiko für die Verbraucher ist nach dem derzeitigen Stand nicht zu befürchten“, sagte Ministeriumssprecher Christian Wittenbecher der NWZ. Bei dem Fall handele es sich nach derzeitigem Kenntnisstand um Verbrauchertäuschung: Es sei illegal und strafbar, Lebensmittel in den Verkehr zu bringen, die nicht korrekt gekennzeichnet seien.

Ungeachtet dessen haben die Lebensmittelbehörden in Niedersachsen ihre Kontrollen verschärft. Fertiggerichte mit Hackfleisch sowie Rindfleischfrikadellen und Rindfleischburger würden besonders unter die Lupe genommen, sagte eine Sprecherin des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) am Donnerstag in Oldenburg der NWZ.

Die EU-Staaten wollen an diesem Freitag in Brüssel über die Einführung europaweiter Gentests von Rindfleischprodukten entscheiden. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte dazu: „Nur mit flächendeckenden Tests und einem europaweit einheitlichen Vorgehen werden wir das tatsächliche Ausmaß dieses Falls erfassen können.“