Nordenham/Brake - Die im Winter weitgehend ungenutzte Jugendherberge am Nordenhamer Weserstrand wird zur Flüchtlingsunterkunft – zumindest vorübergehend. Der Landkreis Wesermarsch hat am Donnerstagabend bestätigt, dass der Deutsche Jugendherbergsverband das Gebäude zur Verfügung stellt, um dort eine Erstaufnahmestelle einzurichten. Bereits an diesem Sonnabend sollen 100 Flüchtlinge unterschiedlicher Nationalitäten dort eintreffen. Sie reisen mit Bussen aus Bayern an.

Die Erstaufnahme von 100 weiteren Asylbewerbern, die in der nächsten Woche in der Wesermarsch ankommen, erfolgt in Brake. In der Kreisstadt wird dafür das ehemalige Gymnasium in Nachbarschaft des St.-Bernhard-Hospitals genutzt. Weil die Räume im Schulgebäude nicht ausreichen, nimmt der Landkreis auch die Turnhalle an der Haasenstraße in Anspruch.

„Wir waren jetzt gefordert, für das Land in die Bresche zu springen und den Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf anzubieten“, sagte Landrat Thomas Brückmann. Wie berichtet, hatte die Landesregierung über ein Amtshilfeersuchen mehrere Landkreise aufgefordert, Erstaufnahmeeinrichtungen zu schaffen, weil die landeseigenen Gebäude für die steigenden Flüchtlingszahlen nicht mehr ausreichen.

Laut Thomas Brückmann bietet die Nordenhamer Jugendherberge die „beste In-frastruktur“ für diesen Zweck. In enger Abstimmung mit der Stadt sei es kurzfristig gelungen, die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen. Die Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge in der Jugendherberge, die mit einer Küche sowie genügend Betten, Essräumen und Sanitäreinrichtungen ausgestattet ist, übernimmt die Johanniter-Unfallhilfe. In Brake hat sich das Deutsche Rote Kreuz bereit erklärt, die Erstaufnahmestelle zu betreiben. Der Landrat dankte allen Beteiligten für das „außerordentliche Engagement.“

In der Erstaufnahmeeinrichtung werden die Neuankömmlinge registriert und von Mitarbeitern des Kreisgesundheitsamtes medizinisch untersucht. Die Flüchtlinge erhalten dort auch eine Erstausstattung an Bekleidung sowie Hygiene- und Babyartikel. „Spenden aus der Bevölkerung sind derzeit nicht erforderlich“, teilt der Pressesprecher des Landkreises, Matthias Sturm, mit.


Zu regeln war auch, wer die Dolmetscheraufgaben übernimmt, wie die Reinigung organisiert wird und wie der Wachdienst ablaufen soll. Kreisbaudezernent Matthias Wenholt hat als Leiter des Katastrophenschutzstabes diese Fragen geklärt.

Von der Erstaufnahmeinrichtung aus werden die Flüchtlinge nach bestimmten Quoten auf Städte und Gemeinden aufgeteilt. Genaue Angaben zur Aufenthaltsdauer in der Erstaufnahme gibt es nicht. Aber nach Auskunft des Nordenhamer Ordnungsamtsleiters Rudolf Müller ist in den meisten Fällen mit etwa einem Monat zu rechnen. „Mit der jetzigen Lösung können wir leben“, sagt er mit Hinweis auf die Notlage des Landkreises. Bei der eigentlichen Flüchtlingsunterbringung in Wohnungen sieht Rudolf Müller trotz steigender Zahlen in Nordenham keine Probleme.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)