München - Jetzt wird es eng für Bernie Ecclestone: In der Schmiergeld-Affäre um Ex-Banker Gerhard Gribkowsky droht dem einst unumstrittenen Formel-1-Herrscher im schlimmsten Fall eine lange Haftstrafe. Die Staatsanwaltschaft München hat den 82-Jährigen wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue angeklagt. Ein entsprechendes Schreiben sei Ecclestone zugegangen, bestätigte die Behörde am Mittwoch.
Einen Rücktritt als Formel-1-Chef schloss er zunächst aus. „Ich wüsste nicht, warum ich das tun sollte. Ich werde das tun, was ich immer gemacht habe: Weiter arbeiten und meinen Job tun. Für mich ändert sich durch diese Sache nichts“, sagte er der „Bild“.
Der mächtige Funktionär räumte ein, dass seine Anwälte in dem hochbrisanten Fall eine Anklage der Münchner Staatsanwaltschaft akzeptiert haben. „Das bedeutet, dass sie auf die Anklage antworten müssen, was sie energisch tun“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft werfe ihm vor, er habe „jemand angeblich bestochen“. Ecclestone versicherte jedoch, er habe „nichts Illegales“ getan. Die Verteidigung teilte mit, sie werde „in Kürze bei der zuständigen Strafkammer eine umfassende Stellungnahme zu den Vorwürfen einreichen“.
Sollte es tatsächlich zur Verhandlung kommen, fände diese nach Gerichtsangaben nicht vor Mitte September statt. Nach Zustellung der Anklage haben Ecclestones Anwälte bis Mitte August Zeit für ihre Stellungnahme. Der Engländer müsste vor Gericht persönlich erscheinen. „Wenn es sein muss, sicher, dann bin ich da. Warum nicht?“, sagte er. Das Strafgesetzbuch sieht für Bestechung eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor. Für den besonders schweren Fall der Bestechung sind laut Gesetz ein bis zehn Jahre Haft möglich.
Über 30 Jahre lang stand der einstige Gebrauchtwagenhändler, der im Fahrerlager nur „Bernie“ gerufen wurde, an der Spitze der Königsklasse. Durch gewieftes Geschäftsgebaren machte er die Formel 1 zu einem milliardenschweren Geschäft und einer der finanziell lukrativsten Sportarten weltweit.
Seit 2011 ermittelten die Behörden. Im vergangenen Sommer war bereits Ecclestones einstiger Geschäftspartner Gribkowsky zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. In der Urteilsverkündung betonte der Richter damals schon, dass der ehemalige Risiko-Vorstand der Bayern LB von Ecclestone „ins Verbrechen geführt“ worden sei. Dem beschuldigten Briten wird vorgeworfen, Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Bank rund 44 Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt zu haben.
Ecclestone hat die Schmiergeld-Vorwürfe stets bestritten und sprach seinerseits von Erpressung. So soll Gribkowsky Anspielungen gemacht haben, Ecclestones undurchsichtiges Geschäftsmodell den britischen Steuerbehörden zu melden.
Ecclestone persönlich scheint auf Konsequenzen eingestellt zu sein, zumindest wenn es zu einer Verurteilung käme. Die Besitzergesellschaft CVC „wird wahrscheinlich gezwungen sein, mich loszuwerden, wenn die Deutschen mich holen. Es ist ziemlich klar, wenn ich eingesperrt würde“, hatte er Ende 2012 dem „Sunday Telegraph“ gesagt. CVC soll bereits einen Headhunter für die Nachfolge Ecclestones engagiert haben.
