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Reportage Forscher gehen Meer auf den Grund

Wilhelmshaven - Dr. Alexander Kieneke blickt durch die Linse des Mikroskops, dreht zwei Mal an dem kleinen Rad und erhält schon die gewünschte Einstellungsgröße. Auf dem Objekttisch liegt das Präparat eines sogenannten Bauchhärlings, ein rund ein Millimeter langer Bewohner des Meeres. Gleich neben dem Mikroskop befinden sich zwei Computerbildschirme, dort kann Alexander Kieneke das Innenleben des Bauchhärlings erkennen. Konzentriert ist der Forscher bei der Arbeit, Ablenkung kann er in diesem Raum auch gar nicht finden. Mit Ausnahme der technischen Geräte gibt es nicht viel – ein Regal mit einigen Büchern und an der Wand wenige Bilder mit mikroskopischen Aufnahmen. Es ist sehr warm, aus den Geräten quirlt heiße Luft. Sie erzeugen außerdem ein ständiges Hintergrundgeräusch. Auch wenn keiner redet, ist es nicht still.

Geologen und Biologen

Mit Ausnahme dieser Geräuschkulissen durch Computer ist es ruhig in dem gesamtem Gebäude. Die berühmte fallende Stecknadel wäre durchaus zu hören. Denn Wissenschaftler brauchen Ruhe, auch in dem Meeresforschungsinstitut Senckenberg in Wilhelmshaven. Diese Außenstelle des Unternehmens mit Sitz in Frankfurt gibt es seit 1928. Geologen und Biologen sitzen am Südstrand unter einem Dach. Erforscht wird die Vielfalt der Meereslebewesen vom freien Wasser bis zum Meeresboden. In 30 Teilprojekten analysieren die rund 70 Forscher von Senckenberg bis ins kleinste Detail die Veränderung der Lebensräume und ihrer Artenvielfalt über mehrere Jahrzehnte. Auch die äußeren Einflüsse, also zum Beispiel durch den Menschen, spielen eine Rolle. Kieneke erläutert sein spezielles Fachgebiet so: „Ich erforsche vergleichend die Anatomie und Funktionsweise verschiedener Organismen und ihrer Organsysteme(...).“ So erhalte er einen Einblick über die Veränderungen der Lebewesen während der Evolution. Einem anderen Fachgebiet widmet sich Dr. Max Wisshak.

Auch er sitzt in einem kahlen Raum. Neben den Bildschirmen steht ein sogenanntes Rasterelektronenmikroskop. Mit diesem kann Wisshak Bilder von im Meer gesammelten Lebewesen erzeugen. Das Besondere an dem Mikroskop erklärt der Doktor mit den Worten: „Mit dem Elektronenstrahl können wir die Lebewesen bis ins kleinste Detail betrachten.“ Auf seinem Bildschirm erscheint eine Koralle, die Wisshak einst aus der Meerestiefe an der norwegischen Küste geborgen hat. Anhand des Koralle erklärt der Wissenschaftler ausführlich, wie sich Lebensräume mit der Zeit verändern.

Meere werden saurer

Die Versauerung der Ozeane ist eine Folge der erhöhten Kohlendioxid-Emissionen in die Atmosphäre. Die Ozeane nehmen nämlich eine große Menge des CO2 auf, fügt der Forscher hinzu. Im Wasser reagiere das Kohlendioxid zu Kohlensäure. „Dieses lässt den pH-Wert des Wassers sinken, die Meere werden saurer. Den meisten Korallen fehlen die Mechanismen, um diese erhöhten Kohlendioxid-Werte zu kompensieren“, sagt er. Folgen eines großen Korallensterbens wären verheerend, denn die Riffe beheimaten viele Meerestiere und sind die Basis einer Nahrungskette bis hin zum Menschen.

Max Wisshak stockt nicht bei seinen Ausführungen. Er ist routiniert, die Fachworte sind so eingefleischt, dass er sie nicht suchen muss. Beim Gedanken an die Exkursion nach Norwegen lächelt der Wissenschaftler, seien Expeditionen doch das, „worauf man die ganze Zeit hinarbeitet“. Vier Wochen dauernde Einsätze auf dem Meer, ob in Australien oder auf der Nordsee, seien zwar anstrengend, aber das Ziel aller Forscher. Wisshak reibt die Hände zusammen und sagt: „Als Forscher ist man zwei Mal im Jahr für etwa vier Wochen auf Expeditionen. Die Arbeit besteht danach natürlich aus dem Analysieren und im Anschluss aus Publikationen schreiben.“

Das Bild vom Forscher im weißen Kittel mit dem Reagenzglas entsteht also nur phasenweise im Senckenberg-Institut in Wilhelmshaven. Was bei all der Stille dort aber nicht fehlt, ist äußerst komplizierte Arbeit.

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