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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Wissenschaft: Forscher teilen Know-how mit Firmen

02.10.2014

Oldenburg Wissenschaft und Unternehmen sind in der Region gut vernetzt, dafür sorgen spezielle Einrichtungen bei Hochschulen und Institutionen, wie der Industrie- und Handwerkskammer (IHK) Oldenburg. Einer von den Forschern, die davon profitieren, ist der Doktorand Eugen Rasumow. In dem Labor der Jade-Hochschule in Oldenburg, in dem er forscht, sieht es aus wie in einer Kristallhöhle in einem Videospiel. Graue Schaumstoffzacken ragen in den Raum herein.

Dort testet Rasumow seine Entwicklung, an der er bereits seit etwa drei Jahren arbeitet. Es geht um ein ganz besonderes Mikrofon: Es soll so aufnehmen, dass es dem Hörenden später möglich ist, zu verorten, wo welcher Ton herkommt. Das Problem: Da bei jedem Menschen die Ohren nicht ganz symmetrisch ausgerichtet sind, muss die Wiedergabe individuell angepasst werden. Dies gelang Rasumow mit einer speziellen Anordnung von 24 Mikrofonen. Ein Computer kann die Aufnahme dann auf jedes beliebige Ohr umrechnen.

Zur Anwendung kann dies in zwei Bereichen kommen: Bei besonderen Kopfhörern, die räumliches Hören wiedergeben sollen – und in der Automobilbranche. Normalerweise werden dort die Fahrzeuginnengeräusche mit einem Puppenkopf aufgezeichnet. Mit dem neuen Gerät lassen sich aber die Ohren von beliebig vielen Menschen simulieren.

Kontakte vermitteln

Den Kontakt zwischen Wirtschaft und Forschung vermittelt an der Hochschule das Referat Wissens- und Technologietransfer. In Oldenburg wird es von der Diplomingenieurin Christina Müller geleitet. So kommt die Forschung von Rasumow der Firma Akustiktechnologie Göttingen zugute.

Wie eine Vermittlung zwischen Hochschule und Unternehmen aussehen kann, zeigt Christina Müller an einem Beispiel: Ein Unternehmen aus der Region hat eine Software entwickelt, kommt aber bei einem Problem nicht weiter: Das Programm braucht Schnittstellen mit anderen Programmen. Die Lösung für das Problem soll nun ein Student finden und seine Bachelorarbeit darüber schreiben.

„Es gibt genaue Verträge, die regeln, wie solche Arbeiten bezahlt werden und welche Rechte das Unternehmen und der Student an der Arbeit hinterher haben“, erläutert Christina Müller. „Notfalls ziehen wir sogar einen Juristen hinzu.“ Manchmal geben Unternehmen Forschung direkt bei der Hochschule in Auftrag. Dies muss dann buchhalterisch erfasst werden, um korrekt abrechnen zu können. Von den Aufträgen profitieren verschiedene Sparten, etwa Hör- und Messtechnik oder Maschinenbau.

„Pro Jahr vermitteln wir zwischen zehn bis 15 Projekte an Unis und Hochschulen, die verwirklicht werden“, sagt Dr. Karin Brodisch, Innovationsberaterin bei der IHK Oldenburg und dort dafür zuständig, den Kontakt zwischen Wissenschaftlern und Unternehmen zu vermitteln.

Oft gehe es dabei um Entwicklungen im Maschinenbau oder in der Elektronik. Aber auch ein Marketingkonzept sei so schon zustande gekommen, sagt Karin Brodisch.

Großes Potenzial

Im Schnitt beschäftigten die Unternehmen, die an Brodisch herantreten, zwischen 20 und 30 Mitarbeiter. Sie sehe noch Potenzial, weitere 1000 der etwa 66 000 Betriebe und Unternehmen in der Region zu vermitteln. Sie glaubt, dass die Institutionen noch viele Überraschungen für die Firmen hier bereithalten würden. So sehe sie vor allem im Bereich der Logistik noch Chancen.

Am meisten Geld bringen der Jade-Hochschule Kooperationen, die von Land, Bund oder EU gefördert sind und an denen verschiedene Institutionen über Ländergrenzen hinweg sowie Unternehmen beteiligt sind, teilt Christina Müller mit. Ein Beispiel dafür sei ein Projekt, bei dem neue Highspeedkameras für Crashtests in der Automobilbranche entwickelt werden. Bis zu 150 000 Euro kann so ein Projekt der Hochschule einbringen. 2012 nahm sie 3,2 Millionen Euro aus solchen Projekten ein, das Gesamtbudget der Jade-Hochschule lag bei 38 Millionen.

Auch energiesparende Antriebe für die Schifffahrt wie Segel werden derzeit erforscht. Die Forschung wird von mehreren Anrainerstaaten der Nordsee finanziert. Vor allem die Jade-Hochschule in Elsfleth beschäftigt sich mit der Seefahrt. In Wilhelmshaven ist hingegen der Maschinenbau eine wichtige Stütze, in Oldenburg ist es die Architektur.

In Oldenburg fragen Unternehmen etwa an, ob sie hier neue Bauteile untersuchen lassen können oder wie sie richtig Denkmalschutz betreiben, berichtet Christina Müller. Traditionell spiele auch die Messtechnik eine große Rolle in der Stadt. So würden von Kameras gestützte Navigationshilfen beispielsweise für Skalpelle bei Operationen entwickelt.

Keine Konkurrenz

„Wichtig ist auch, dass wir keine Konkurrenz zu Unternehmen sind, die dasselbe anbieten wie wir“, sagt Christina Müller. „Aufträge und Kooperationen müssen zu marktüblichen Preisen abgerechnet werden.“ Das gelte etwa für Arbeiten wie Bodenanalysen, für die die Hochschule die Laboratorien habe, aber gerade da gebe es auf dem freien Markt viele Mitbewerber.

Bei manchen Anfragen vermittelt Christina Müller an andere Firmen weiter, die das anbieten, was der Fragesteller wünscht. „Wir sind da gut vernetzt“, sagt sie. Mehrmals die Woche muss die Ingenieurin für Messtechnik solche Anfragen beantworten.

Maximilian Müller Volontär / NWZ-Redaktion
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