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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Neuer Schwung auf dem Börsenparkett

21.02.2018

Frankfurt Mit Aktien wenig am Hut, schlechte Erfahrung mit Telekom-Papieren und eine traditionelle Skepsis gegenüber angelsächsischem Kapitalismus – Börsengänge rufen bei den Deutschen selten Euphorie hervor. Und auch hiesige Firmen halten sich mit Erstnotizen zurück. Nun aber gibt es Bewegung: Zwei deutsche Großkonzerne wollen mit Geschäftsteilen aufs Börsenparkett.

So will die Deutsche Bank eine Minderheit ihrer Fondstochter DWS für geschätzt rund zwei Milliarden Euro an die Börse bringen. Und Siemens hat beschlossen, einen Teil der Medizintechnik-Sparte zu platzieren. Noch im März könnte es so weit sein. Mit sechs bis zehn Milliarden Euro Erlös könnte der Börsengang zum größten seit jenem der Telekom werden, der 1996 beim ersten Schritt umgerechnet zehn Mrd. Euro einspielte.

Seit jener Zeit, als Telekom, Deutsche Post und Infineon aufs Parkett gingen, dümpelt der deutsche Markt für Börsengänge mehr oder weniger vor sich hin. Mit den Plänen von Siemens und DWS schöpfen Fachleute Hoffnung. „Als Eisbrecher könnten die Mega-Emissionen den Weg bereiten für weitere Börsengänge in Deutschland“, sagt Martin Steinbach, Experte bei der Beratungsgesellschaft EY.

Die Vorzeichen stehen gut. Mit der Flut des billigen Geldes, seit Jahren steigenden Aktienkursen und der starken Weltwirtschaft ist der Risikohunger der Investoren immens. 2017 schafften weltweit so viele Firmen den Sprung aufs Parkett wie seit 2007 nicht mehr. „Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen“, glaubt Steinbach.

Er rechnet 2018 in Deutschland mit bis zu 18 Börsengängen. Als heißer Kandidat gilt etwa das Münchner Familienunternehmen Knorr-Bremse. Dem Arzneihersteller Dermapharm gelang schon der erste Börsengang des Jahres, wenn auch holprig inmitten der jüngsten Aktienturbulenzen.

Für Firmen sind die Schaukelbörsen ein Problem. Gefährdet dies den Aufschwung für Börsengänge? Gut aufgestellte und auf den Börsengang vorbereitete Firmen könnten ihre Pläne problemlos etwas schieben, so Steinbach. Zudem blieben die ökonomischen Bedingungen gut.

Die nahenden Erstnotizen dürften indes unter Profis ausgemacht werden. Die Zeiten, in denen Deutsche Post und Telekom Kleinanleger in Scharen an die Börse trieben, sind vorbei. Zur Jahrtausendwende, als Telekom-Chef Ron Sommer die Börsenglocke läutete und Schauspieler Manfred Krug für die „Volksaktie“ warb, waren Börsengänge ein Massenereignis. Der Ausgang ist bekannt: Telekom-Aktien stürzten mit dem Platzen der Internetblase ab, Kleinanleger verloren viel Geld.

Davon hat sich die hiesige Aktienkultur nie ganz erholt. Nur gut zehn Millionen Bundesbürger besitzen laut Deutschem Aktieninstitut direkt oder über Fonds Aktien, obwohl es bei der Bank kaum Zinsen gibt. Und bei Börsengängen zeichnen kaum noch Privatanleger Papiere.

Das belastet auch den hiesigen Markt für Börsengänge. „Vom ökonomischen Gewicht her müsste Deutschland jährlich rund 40 Erstnotizen verzeichnen“, sagt Steinbach. Allerdings bekommen Firmen in Deutschland leicht Kredite von der Bank, auch deshalb ist die Finanzierung über die Börse wenig verbreitet.

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