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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Finanzen: Tiefe Wurzeln und harte Gegenwart

21.02.2020

Frankfurt „Unsere Banksparbücher bringen hohe Zinsen“ – lange ist es her, dass die Commerzbank so um Kunden warb. Etwa 100 Jahre alt ist das goldumrahmte Reklameschild, das im Historischen Archiv des Instituts im Frankfurter Bahnhofsviertel hängt. Seither hat das 1870 gegründete Geldhaus einiges durchgemacht. Erst 2019 scheiterte der Versuch einer Fusion mit der Deutschen Bank. In diesem Jahr gibt es endlich mal wieder etwas zu feiern: Die beiden größten Privatbanken Deutschlands begehen ihr 150-jähriges Bestehen. Den Anfang macht am Mittwoch, 26. Februar, die Commerzbank.

Eine Gründungswelle

Dass in den ersten Monaten des Jahres 1870 Commerzbank und Deutsche Bank sowie 1872 die inzwischen von der Commerzbank geschluckte Dresdner Bank gegründet wurden, ist kein Zufall. „Man brauchte kapitalstärkere Institute. Es gab eine regelrechte Gründungswelle“, erklärt Detlef Krause, Leiter des Commerzbank-Archivs.

Die Commerzbank, am 26. Februar 1870 von hanseatischen Kaufleuten und Privatbankiers unter dem Namen „Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg“ gegründet, beginnt am 25. April 1870 ihre Geschäftstätigkeit in der Hansestadt. Schon für die Gründerväter hat „die Verbindung von nationalem und internationalem Geschäft wie auch die Ausrichtung auf mittelständische Kunden eine zen­trale Bedeutung“, erinnert sich der spätere Konzernchef Martin Blessing (2008-2016) zum 140. Bestehen. Der Anfang im Kaiserreich ist schwer.

Die Deutsche Bank erhält am 10. März 1870 von Wilhelm I. die Konzession und nimmt am 9. April 1870 in Berlin ihre Geschäftstätigkeit auf. Sie setzt sich zum Ziel, „Bankgeschäfte aller Art zu betreiben, insbesondere die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen europäischen Ländern und überseeischen Märkten zu fördern und zu erleichtern“.

Doch im Bericht über das Geschäftsjahr 1871 räumt die Führung der Deutschen Bank Actien-Gesellschaft Schwierigkeiten ein: „Das commercielle und finanzielle Uebergewicht Englands verweiset den Kaufmannsstand der überseeischen Plätze fast allein auf London.“ Die Banker der Gründerzeit zeigen sich kämpferisch – und die Ausdauer zahlt sich aus: Bald nach ihrer Gründung finanziert die Deutsche Bank den Aufstieg der heimischen Industrie: Kohle, Stahl, Textil. Auch das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg braucht starke Finanzierer. Die Deutsche Bank wirbt: „Wünsche werden Wirklichkeit“.

Prägend im 20. Jahrhundert zudem: Die deutsche Sparkultur. Sie bekommt in den 1970er Jahren tierische Unterstützung: Ein grüner Elefant namens „Drumbo“ wird 1972 zum Maskottchen der Dresdner Bank. Die Commerzbank schickt wenig später Hamster „Goldi“ auf Groschenfang: In Form von Schlüsselanhängern, Spardosen, Schneekugeln, aufblasbar oder aus Plüsch. Und natürlich als „Goldi“-Kostüm mit großer Hamstermaske, unter der sich mancher Azubi schwitzend bei einer Werbeveranstaltung etwas dazuverdiente.

Seit Anfang der 1930er Jahre zählt die Commerzbank zu Deutschlands führenden Banken, seit 1940 auch unter ihrem heutigen Namen. Damals nimmt das Institut, das nach einer Fusion ab 1920 kurzzeitig Commerz- und Privat-Bank heißt, den weniger sperrigen Namen Commerzbank an. Die Deutsche Bank ihrerseits macht sich über Beteiligungen an allen wichtigen deutschen Konzernen im Geflecht mit der Industrie über Jahrzehnte hinaus unverzichtbar, der spätere Vorstandschef Rolf Breuer (1997–2002) gilt als „Strippenzieher der Deutschland AG“. Auf den internationalen Finanzmärkten spielt Deutschlands größtes Geldhaus über Jahre auch dort mit, wo später Aufseher und Juristen die Scherben zusammenkehren und Milliardenstrafe verhängen.

Goldene Zeiten vorbei

Die goldenen Zeiten für Banker sind vorerst vorbei. Die Deutsche Bank versucht seit mindestens zwei Jahrzehnten, die richtige Balance zwischen eher biederem Privatkundengeschäft und tendenziell riskanterem Kapitalmarkttreiben zu finden. Christian Sewing, jüngster Vorstandschef in der 150-jährigen Geschichte des Instituts, schrumpft den globalen Anspruch des größten deutschen Geldhauses.

Wie so oft kommt die lange als Übernahmekandidatin gehandelte Commerzbank, deren größter Aktionär seit der Übernahme der kriselnden Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise 2008 der deutsche Staat ist, nüchterner daher. „Commerzbank 5.0“ nennen die Manager um Vorstandschef Martin Zielke ihr Programm für die nächsten Jahre.

Die Zentralen der beiden größten deutschen Privatbanken prägen heute Frankfurt. Am 2. Mai 1957 wird die Stadt zum Sitz der Deutschen Bank AG, die Commerzbank zentralisiert ab 1970 ihre Hauptverwaltungen in Frankfurt und hat dort seit 1990 auch ihren juristischen Sitz. Nach außen mögen die Fassaden noch so glänzen – die Bilanzen beider Banken fallen seit Jahren nicht sehr rosig aus.

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