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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Entscheidung im großen Poker steht bevor

23.04.2019

Frankfurt In den Fusionsgesprächen von Deutscher Bank und Commerzbank rückt eine Entscheidung näher. Münden die Sondierungsgespräche tatsächlich in konkrete Verhandlungen über einen Zusammenschluss? Und wird am Ende der von der Politik herbeigesehnte „nationale Champion“ geschmiedet? Oder kommen die Vorstände der beiden Frankfurter Konzerne schon nach knapp sechs Wochen intensiver Prüfung zu dem Schluss, dass die Banken-Hochzeit keinen Sinn ergibt?

Mitarbeiter und Kunden, Investoren und Aufseher erwarten Klarheit über den weiteren Kurs. In dieser Woche könnte es so weit sein: Ende März hatte Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner angekündigt, Deutschlands größtes Geldhaus wolle sich im Umfeld der Quartalszahlen zum Stand der Gespräche äußern. Der Dax-Konzern veröffentlicht seine Zwischenbilanz an diesem Freitag.

Nach Einschätzung von Analysten dürfte die Deutsche Bank in den ersten drei Monaten 2019 noch weniger verdient haben als im schon mageren Vorjahresquartal.

Rettet die Commerzbank die Deutsche Bank? In einer größeren Einheit könnten auf Dauer die Kosten deutlich gedrückt werden – dies allerdings wahrscheinlich auch über den Abbau Tausender Jobs und Filialschließungen. Zusammen haben Deutsche Bank und Commerzbank bundesweit gut 1500 Filialen – ohne die Postbank-Standorte.

Große Widerstände gegen eine Fusion gibt es in der Belegschaft beider Häuser. Die Gewerkschaft „Verdi“ rechnet im schlimmsten Fall mit dem Abbau von 30 000 Jobs. Ende 2018 hatten die beiden Institute zusammen gut 133 000 Vollzeitstellen. Zunächst würde ein Personalabbau in dieser Größenordnung allerdings viel Geld kosten.

Kräfte zu bündeln, das dürfte aus Sicht des Managements auch beim Thema Digitalisierung sinnvoll sein. Auf einer gemeinsamen Plattform könnten künftig mehr als 30 Millionen Privatkunden in Deutschland bedient werden, auch im Firmenkundengeschäft hätte ein größeres Institut mehr Schlagkraft gegenüber der Konkurrenz, auch im Ausland. Teure Vorgaben der Regulierer müssten zudem künftig nur noch ein- statt zweimal umgesetzt werden.

Eine implizite Staatsgarantie hätte ein vereinigtes Institut aller Voraussicht nach auch – was bei der Aufnahme frischer Gelder am Markt helfen würde. Der Bund ist derzeit mit 15,6 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank. Und vieles spricht dafür, dass der Staat an einem fusionierten Institut beteiligt bliebe. Denn um nach der milliardenschweren Rettungsaktion für die Commerzbank in der Finanzkrise vor zehn Jahren ohne Verlust auszusteigen, müsste je Aktie ein Preis von etwa 26 Euro erzielt werden, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht. Zuletzt schaffte es das Papier des im Herbst in den MDax abgestiegenen Instituts knapp über die Acht-Euro-Marke.

Alleine entscheiden werden die Vorstandsgremien um Christian Sewing (Deutsche Bank) und Martin Zielke (Commerzbank) nicht. Die Manager müssen die Bankenaufseher von Europäischer Zentralbank, Bafin und Bundesbank mit einem tragfähigen Geschäftsmodell überzeugen. Zustimmung wird von den Aktionären erwartet.

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