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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Luftfahrt: Wie Jets in Corona-Zeiten fit bleiben

04.08.2020

Frankfurt Die Flugzeugmechanikerin Katrin Storeck zückt die Taschenlampe. An der Außenhaut des Airbus A 340 sucht sie auch in den versteckten Winkeln nach möglichen Kleberesten der Folie, mit der die Triebwerke abgedeckt waren. Nach einem Monat Standzeit soll der Lufthansa-Jet in wenigen Stunden nach Miami fliegen. Für Storeck und ihre Kollegen in der Frankfurter Langstreckenwartung heißt das: viel Arbeit.

In der Corona-Krise ist der internationale Luftverkehr nahezu zum Erliegen gekommen: Ein großer Teil der weltweit rund 25 000 aktiven Passagierjets stand auf einmal am Boden. Fortdauernde Reisebeschränkungen in der noch nicht überwundenen Pandemie und die einsetzende wirtschaftliche Rezession hemmen den Neustart der Airlines. Der Flugplan wird nur kurze Zeit im Voraus erstellt, sodass ein durchaus kompliziertes Puzzle entsteht, wann welches Flugzeug auf welchem Flug eingesetzt werden soll.

Die Lage bei Lufthansa

Auch die Lufthansa steht bei nahezu jedem Jet vor den Alternativen: Fliegen, einmotten oder fast flugbereit halten. Am Tiefpunkt der Krise standen 700 der 763 Konzernjets am Boden, im Herbst sollen 380 Flieger wieder in der Luft sein, hat Vorstandschef Carsten Spohr angekündigt.

Er geht auch davon aus, dass erst im Jahr 2023 ein neues Normalmaß erreicht sein wird mit 100 Fliegern weniger als noch 2019. Da der teilverstaatlichte Konzern in dieser Zeit trotz Krise auch noch 80 fabrikneue Maschinen kaufen will, wird von der aktuellen Flotte fast jeder vierte Jet künftig nicht mehr gebraucht.

Aus technischer Sicht müssen Flugzeuge regelmäßig fliegen, schildert Wartungschef Dirk Ranft. Höchstens 30 Tage lang dürfen die Passagier-Jets geparkt werden. In diesem Zustand werden die Triebwerke abgedeckt, um Vögel, Insekten oder Teile von den Turbinen fernzuhalten. Einzelne Systeme wie der Geschwindigkeitsmesser werden ausgebaut und die Reifen mal bewegt, um Standschäden zu vermeiden.

Die Lufthansa reaktiviert die geparkten Flugzeuge in regelmäßigen Wellen. Da die Flugzeuge nach den Herstellervorgaben mindestens alle 30 Tage fliegen müssen, werden die Jets dann wieder in den Linienbetrieb genommen. Die Alternative wären sogenannte Werkstattflüge ohne Passagiere. „Flüge rund um den Henninger Turm machen wir nicht“, sagt Ranft aber dazu. Stattdessen werden die für den Betrieb notwendigen Jets regelmäßig ausgetauscht.

Ein größerer Teil der Flotte wird allerdings für längere Standfristen – oder ganz – aus dem Verkehr gezogen, so die Flotte des Groß-Airbus A 380.

Bei langer Standdauer

Während die geparkten Jets innerhalb eines Arbeitstages wieder flott gemacht werden können, dauert die Wiederbelebung eines Flugzeugs aus dem Tiefschlaf bis zu vier Wochen – mit einem erheblich höheren Kostenaufwand. Hier sind weitere Teilsysteme ausgebaut, Leitwerke und Fahrwerke komplett abgeschmiert.

Und: Zwischenzeitlich ausgefallene Wartungsintervalle können die Spanne bis zum Neustart noch verlängern. In Teruel/Spanien, aber auch in den Wüsten der USA und Aus­traliens sind gigantische Flugzeuglager „open air“ entstanden. Für viele Jets werden sie zu Friedhöfen werden.

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