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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Deutsche Großbanken vor Fusion?

22.09.2018

Frankfurt /Main Deutschlands Traum von einer erfolgreichen Großbank hält an. Regelmäßig beflügeln Fusionsfantasien die Aktienkurse von Deutscher Bank und Commerzbank. Doch dass ein solcher Zusammenschluss ein Erfolgsmodell wäre, ist keineswegs ausgemacht – auch wenn mancher Politiker eine Hochzeit der beiden verbliebenen großen deutschen Privatbanken charmant fände.

Neue Nahrung könnte die Idee einer Bündelung der Kräfte durch die jüngsten Rückschläge für Deutsche Bank und Commerzbank an der Börse bekommen: An diesem Montag, 24. September, fliegt die Deutsche Bank aus dem europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und zählt damit nicht mehr zu den 50 wertvollsten Börsenunternehmen im Euroraum.

Am selben Tag muss die Commerzbank ihren Platz im deutschen Leitindex Dax räumen. Und ausgerechnet für ein Unternehmen, das sein Geld mit einer Dienstleistung verdient, die gut auch eine Bank erledigen könnte: der Zahlungsabwickler Wirecard.

Was spricht für einen Zusammenschluss und was dagegen?

Pro

 Auf Dauer könnten in einer größeren Einheit die Kosten sinken. Das Analysehaus RBC beziffert die möglichen Einsparungen auf 2,1 Milliarden Euro. Eine Fusion würde an den Zentralen und dem Filialnetz wohl nicht spurlos vorübergehen.

 Bei der Modernisierung der – nach Einschätzung des im April abgesetzten Konzernchefs John Cryan – „lausigen“ IT der Deutschen Bank könnten sich die beiden Banken zusammentun – und dabei gleich das Megathema Digitalisierung mit vereinten Kräften vorantreiben.

 Auf dem umkämpften Heimatmarkt Deutschland hätten die Institute mit zusammen über 30 Millionen Privatkunden mehr Schlagkraft. Einfacher würde das Geldverdienen aber nicht unbedingt. Denn Deutschland habe zu viele Geldhäuser und Filialen.

 Auch international könnten Deutsche Bank und Commerzbank Boden gutmachen. „Europa läuft Gefahr, dass in einigen Bereichen europäische Banken zwischen der sehr starken Ertragskraft der Häuser in den USA und den Möglichkeiten der großen chinesischen Banken eingequetscht werden und im globalen Konzert an Relevanz verlieren“, warnte jüngst der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen.

Contra

 Die schiere Größe eines Konzerns aus Deutscher Bank und Commerzbank dürfte Aufsehern und Regulatoren Schweißperlen auf die Stirn treiben. De facto bestünde der deutsche Bankensektor dann im Kern aus drei riesigen Organisationen, die allesamt „too big to fail“ („zu groß zum Scheitern“) wären, meint der frühere Deutsch-Banker und heutige Berater Hans Kraus. In einer etwaigen künftigen Krise bliebe wohl nur die öffentliche Hand als Retter.

 Beide Institute sind zehn Jahre nach der Finanzkrise noch mit sich selbst beschäftigt. Bei der Deutschen Bank müht sich der seit April amtierende Vorstandschef Christian Sewing nach drei Verlustjahren in Folge um höheres Tempo, räumte jüngst aber ein: „Es gibt noch viel zu tun.“ Der Commerzbank-Vorstand in Person von Privatkundenchef Michael Mandel sah sich angesichts des Dax-Abstiegs genötigt zu betonen, die Bank verfolge seit Herbst 2016 „eine Strategie, die langfristig Wert für die Bank schaffen und den Kurs nach oben bringen soll. Dass das nicht innerhalb von anderthalb Jahren gelingt, war von Anfang an klar“.

 Eine Fusion in dieser Größenordnung wäre ein gewaltiger Kraftakt – ausgerechnet in einer Zeit, in der aufstrebende Finanz-Start-ups sowie Tech-Konzerne wie Apple, Google und Co. den Geldhäusern zunehmend Konkurrenz machen. Stuart Graham vom Analysehaus Autonomous Research zeichnete bei der „Handelsblatt“-Bankentagung Ende August ein düsteres Bild: „Fast alle meine Kunden halten den deutschen Bankenmarkt für kein gutes Investment.“

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