Frankfurt/Papenburg - Der Staat sollte sich nach Auffassung der Flugbegleitergewerkschaft Ufo nicht nur an der Lufthansa beteiligen – sondern auch an Condor. Es wäre ein „fatales Signal“, wenn der Staat als erster Gläubiger der Condor den Saft abdrehe, erklärte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies am Dienstag nach der geplatzten Übernahme des Ferienfliegers durch die polnische Lot-Mutter PGL.
Die frühere Thomas-Cook-Tochter Condor sei ohne eigenes Verschulden in das Schutzschirmverfahren gerutscht und habe seine Hausaufgaben erledigt. „Das Unternehmen steht transparent und gut saniert da“, hieß es.
Nach der polnischen Absage verhandeln Condor und Bundesregierung über eine mögliche Zukunftsperspektive der Airline mit mehr als 50 Flugzeugen und 4900 Beschäftigten. In dieser Woche sollte ein KfW-Kredit über 380 Millionen Euro fällig werden.
Aus Sicht der Kabinengewerkschaft sollte sich der Staat an den wichtigen Luftverkehrsunternehmen einschließlich der Lufthansa in einer Übergangszeit direkt beteiligen. Eine milliardenschwere Hilfe für die Lufthansa war zuletzt immer wahrscheinlicher geworden. Ihr gehen täglich Millionenbeträge verloren, weil kaum noch geflogen wird.
Unterdessen gibt es staatliche Unterstützung auch für Kreuzfahrt-Reedereien – auch im Hinblick auf ihre Schiffslieferanten. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin mitteilte, haben sich Deutschland, Frankreich, Finnland, Italien und Norwegen auf Prinzipien verständigt, wie Reedereien auf Antrag für ein Jahr die Schuldentilgung für die mit staatlichen Exportkreditgarantien finanzierten Kreuzfahrtschiffe aussetzen können. Damit solle „Liquiditätskrisen“ vorgebeugt werden.
Der maritime Koordinator der Bundesregierung, Norbert Brackmann, erklärte, nun würden die Geschäftsbeziehungen der europäischen Werften stabilisiert. Das Kreuzfahrtgeschäft sei wegen der Corona-Pandemie fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Maßnahmen dienten auch dem Schutz Tausender von Arbeitsplätzen in der Werftindustrie und bei Zulieferern.
Bei der Meyer Werft (Papenburg) hieß es auf Anfrage: „Aus unserer Sicht lässt sich dieses sagen: Es hilft unseren Kunden sicher im gewissem Maße und ist ein richtiger erster Schritt.“ Aber Sprecher Florian Feimann fügte hinzu: „Er reicht bei Weitem nicht aus, um den vollständigen Stillstand im Kreuzfahrtmarkt auszugleichen.“
