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Aktualisiert vor 1 Minute.

Urteil Zu Luftschadstoff-Messungen
EuGH: Schon einzelne Überschreitungen gelten als Verstoß

NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

In Deutschland wird der Sand knapp

14.02.2019

Frankfurt Er lagert in Auen am Rhein, in Nord- und Ostdeutschland und im bayerischen Alpenvorland: Das ansonsten rohstoffarme Deutschland hat gewaltige Sandvorkommen; und unbemerkt bestimmen die winzigen Körner zwischen 0,063 und zwei Millimetern Größe den Alltag der Verbraucher.

Sand steckt in Glas, Autoscheinwerfern, Smartphone-Displays, Kosmetik und sogar Zahnpasta. Er wird genutzt, um Wasser zu filtern, Fassaden abzustrahlen und Züge besser zu bremsen.

„Rechnerisch verbraucht jeder Deutsche ein Kilo Gestein pro Stunde“, sagt Bert Vulpius, Geschäftsführer des Unternehmerverbands Mineralische Baustoffe. Pro Jahr seien das fast neun Tonnen.

Doch Sand und der gröbere Kies sind knapp; vor allem am Bau, wo sie für Beton, Ziegel, Asphalt und Mörtel gebraucht werden. Im Immobilienboom, der nun schon seit fast zehn Jahren anhält, ist die Nachfrage nach dem Rohstoff rasant gestiegen. Schon warnt die Bau- und Ingenieurbranche vor Sand-Mangel. Er verteure Beton und treibe die Baupreise hoch – und damit die Mieten in den Städten.

Bei bestimmten Sorten für die Beton-Produktion gebe es „akute Probleme“ bei der Lieferung, erklärte der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Die Folge seien kräftige Preisanstiege: Beton habe sich etwa in Berlin und Brandenburg in den vergangenen neun Monaten um zehn Prozent verteuert. Auch in Hamburg, Köln und Düsseldorf gebe es immer wieder zeitlich begrenzte Engpässe.

Bei frisch gemischtem Beton beispielsweise wird es eng. Bei diesem Transportbeton gebe es Probleme in der Versorgung mit Zuschlagstoffen wie Sand oder Kies, sagt Vulpius, vor allem in Ballungsräumen, wo Lagerstätten fehlten.

Zwar hat Deutschland reiche natürliche Vorkommen an Sand, erklärt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Die rund 2000 Sand- und Kiesgruben hierzulande gewinnen rund 240 Millionen Tonnen Bausand und Kies pro Jahr. Ein Großteil der Vorkommen liege aber in Naturschutzgebieten, unter Wohn- und Gewerbeflächen, Straßen sowie Schienen und sei damit nicht abbaubar, so die Behörde. Und Bauern wollen in Zeiten steigender Grundpreise keine Äcker verkaufen.

Zugleich ist die Genehmigung neuer Abbauflächen langwierig. Vom Antrag einzelner Firmen bis zum Baubeginn von Gruben vergingen oft zehn Jahre oder mehr, sagt Sylvia Reyer-Rohde, Vorstandsmitglied der Bundesingenieurkammer. In Planfeststellungsverfahren könnten alle Betroffenen wie Anwohner, Umweltschützer und Landwirte Bedenken vortragen. Rohstoffabbau sei in Deutschland unbeliebt: „Kein Landrat sieht in seinem Kreis gern eine Sandgrube.“

Auch Importe seien kaum eine Lösung der Knappheit, sagt Vulpius. Denn die tonnenschwere Last des Sandes macht Transporte per Lkw teuer. „Ab einer Entfernung von über 50 Kilometern ist das unwirtschaftlich.“

Mit dem Sand-Mangel steht Deutschland nicht allein da. Weltweit schwinden die Vorkommen, etwa in den boomenden Schwellenländern Asiens. „Sand und Kies sind die am meisten abgebauten Ressourcen der Welt“, schreibt Aurora Torres, Wissenschaftlerin am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig. In Asien etwa werde Sand oft illegal an Stränden oder Flüssen abgebaut. Das zerstöre Ökosysteme mit schlimmen Folgen – etwa weil Küsten wegen Erosion der Böden nicht mehr vor Stürmen und Tsunamis schützten.

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