FRANKFURT - Die Aussicht auf eine schnelle Reform der EU-Verträge hat die Börse, Anleihemärkte und den Euro am Montag gestützt. Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy gaben in Paris die Marschrichtung für das weitere Krisenmanagement vor und trafen damit offenbar den Nerv der Anleger.

Die Reaktionen an den Währungsmärkten fielen zugunsten des Euro aus. Am Montagnachmittag erreichte die Gemeinschaftswährung ein Tageshoch bei 1,3479 US-Dollar und kostete damit knapp einen Cent mehr als zum Handelsstart. Auch an der Börse herrschte am Montag Zuversicht. Der Dax stieg um 0,42 Prozent. Laut Marc Burgheim, Leiter des Devisenhandels der Bayern LB, sollte dies nicht überinterpretiert werden – tatsächlich setzten Anleger derzeit vor allem auf die EZB. Bis zur Zinsentscheidung am Donnerstag sei deshalb kaum mit neuen Turbulenzen zu rechnen.

Am zuletzt sehr unter Druck stehenden italienischen Anleihemarkt hat sich die Lage zu Wochenbeginn stark entspannt. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen sank am Montag kräftig und erstmals seit rund einem Monat wieder unter die Marke von sechs Prozent. Anfang November war sie noch auf einen Rekordstand seit Euro-Einführung von 7,45 Prozent gestiegen. Ähnlich stark war die Entspannung am spanischen Markt. Deutliche Renditerückgänge stellten sich auch in Portugal, Belgien und Österreich ein. Damit hat sich die Gesamtlage, also auch in sogenannten Kernländern wie Frankreich, weiter entspannt.

Händler erklärten die Entspannung an den Rentenmärkten unter anderem mit positiven Signalen vom Euro-Schwergewicht Italien. Dort präsentierte der neue Regierungschef Mario Monti am Nachmittag dem Parlament ein massives Spar- und Reformprogramm.

Wie aus Zahlen der Europäische Zentralbank hervorgeht, hat die EZB bereits mehr als 623 Euro für jeden Bürger in der Euro-Zone ausgegeben, um Staatsanleihen der Schuldenländer zu kaufen. Demnach hat die Zentralbank bereits Staatsanleihen im Wert von 207 Milliarden Euro gekauft, hauptsächlich aus Italien, Portugal, Spanien, Griechenland und Irland. Die EZB, die das Geldschöpfungsmonopol hat, hat die Staatsanleihen mit neu geschaffenem Geld gekauft.