FRANKFURT - Der Versandhändler Neckermann wird ab sofort von Insolvenzverwaltern kontrolliert. Einen Tag nach dem Gang zum Amtsgericht wurden die Frankfurter Anwälte Michael Frege und Joachim Kühne von der Kanzlei CMS als vorläufige Insolvenzverwalter eingesetzt.
Frege soll sich nach Gerichtsangaben vom Donnerstag um das Handelshaus Neckermann.de kümmern, Kühne um die Logistik-Sparte. Frege machte sich etwa als Insolvenzverwalter der deutschen Tochter der Pleitebank Lehman Brothers einen Namen.
Bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt. Sie braucht aber für alle Entscheidungen die Zustimmung der Aufseher. Ob die Insolvenzverwalter die Führung der Firma übernehmen oder ob es eine Insolvenz in Eigenverwaltung geben wird, blieb zunächst offen.
Management und Gewerkschaft hatten seit April um die Sanierung des 62 Jahre alten Unternehmens gerungen. Nach dramatischen Verhandlungen war ein Kompromiss erzielt worden. Dieser war am Mittwoch jedoch am Widerstand des Eigentümers der Neckermann.de GmbH, dem US-Finanzinvestor Sun Capital, gescheitert.
Bei den 2400 Mitarbeitern in Deutschland ist die Ernüchterung groß. „Das ist eine Riesenenttäuschung“, sagte Logistik-Betriebsrat Thomas Schmidt. Viele hätten jetzt Angst vor der Zukunft.
Der Versandhandel soll trotz der Insolvenz zunächst fortgesetzt werden. „Das Geschäft läuft weiter“, teilte das Unternehmen mit.
