Bad Zwischenahn - Vor allem an eine Sache musste sich Romain Vadier in der vergangenen Woche gewöhnen: Kürzere Mittagspausen. Der 16-jährige angehende Landmaschinenmechaniker aus dem französischen Örtchen Cravans, etwa 100 Kilometer südlich von La Rochelle, schraubt für zwei Wochen im Baumschultechnik-Betrieb von Jürgen Kreye in Bad Zwischenahn (Landkreis Ammerland). Und anstelle von zwei Stunden dauern die Pausen hier nur 30 Minuten.
Möglich macht den Besuch die Partnerschaft zwischen der Handwerkskammer Oldenburg und ihrem französischen Pendant aus La Rochelle. Gefördert wird der Austausch von der EU. 16 Azubis – allesamt aus dem Kfz-Bereich – sind derzeit in Betrieben in Oldenburg und dem Ammerland untergebracht.
„Für die Azubis geht es weniger darum, sich sprachlich fortzubilden, sondern sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln“, erklärt Kirsten Grundmann, Mobilitätsberaterin der Handwerkskammer. „Außerdem stärkt es das Selbstbewusstsein. Viele sind nicht einmal 18 und das erste Mal in Deutschland.“
In Frankreich funktioniert das Ausbildungssystem anders als in Deutschland. Dort übernehmen hauptsächlich Fachschulen die Ausbildung – in Praxis und Theorie. Vadier geht in seiner Ausbildung allerdings auch in einen Betrieb. Der ist aber mit vier Mitarbeitern deutlich kleiner als Kreyes 20-Personen-Betrieb.
Vadier spricht kein Deutsch. Aber das stört nicht. „Das ist kein Problem“, versichert Kreye. In der Werkstatt könne man viel zeigen. Notfalls helfe Englisch. Einige Fachbegriffe habe sich Vadier außerdem zuvor notiert.
Mit der Arbeit seines neuen Mitarbeiters auf Zeit ist der Chef sehr zufrieden. „Seine Arbeitsleistung ist hervorragend“, lobt Kreye. Er würde ihn sogar gern länger behalten. Vadier gefällt es im Ammerland zwar, er möchte aber erst einmal wieder nach Frankreich. Dort kann er dann auch wieder seine lange Mittagspause genießen.
