Herr Eger, wirtschaftlich steht der Landkreis Oldenburg gut dar. Die Arbeitslosenzahl ist so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Was kann da 2013 noch kommen?
EgerWir müssen weiterhin Schulden abbauen, das wirtschaftliche Wachstum halten und trotzdem in unseren Schulen in dringend notwendige energetische Sanierung investieren. Außerdem steht 2013 die Frage nach einem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ganz oben an.
Es gibt bei den Schulen viele Begehrlichkeiten. Was ist überhaupt leistbar?
EgerIm Haushalt 2013 sollen vier Millionen Euro für Sanierungsmaßnahmen eingestellt werden. Ähnliche Summen sind in den Folgejahren eingeplant. Wir müssen die energetische Sanierung der Graf-Anton-Günther-Schule, der BBS Wildeshausen und der IGS in Wardenburg weiter vorantreiben. Es liegen aber bereits Wünsche für weitere Maßnahmen in Höhe von 18 Millionen Euro nach 2016 vor. Die sind zeitnah nicht erfüllbar.
Ist der Zeitplan für den Schuldenabbau realistisch?
EgerJa. Ich gehe davon aus, dass wir mit dem Jahresabschluss 2014 ungefähr acht Mio. Euro laufende Kredite getilgt haben. In 2015/16 wollen wir dann zwei weitere große Darlehn tilgen. Dann werden wir bei 20 bis 23 Mio. Euro landen, also eine realistische Planung.
Eine gute Infrastruktur ist das Kapital des Landkreises. Warum wird nicht mehr Geld im Straßenbau investiert?
EgerNach dem letzten harten Winter 2010/11 haben wir eine halbe Mio. Euro zusätzlich bewilligt. Unser Hauptproblem bleibt aber: Wir wissen nicht genau, wie die Landesförderung aussieht. Hier wünsche ich mir mehr Verlässlichkeit nach der Landtagswahl am 20. Januar.
Sie sprechen die Landtagswahl an: Wird das Thema Gebietsreform nach dem 20. Januar wieder auf der Agenda stehen?
EgerIch glaube, wir werden uns darauf einstellen müssen, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre etwas passiert. Dafür sind die Strukturen in Niedersachsen einfach zu unterschiedlich. Der Landkreis Oldenburg muss nicht fusionieren. Wir sollten uns aber fragen: Was wollen wir? Ich bin dafür, dass wir bei der Entwicklung vorneweg laufen, denn dann können wir steuern und nicht nur reagieren.
Was heißt das?
EgerWilhelmshaven und der Kreis Friesland behandeln das sehr pragmatisch. Das würde ich mir auch für unsere Region wünschen. Die Empfindlichkeiten zwischen Delmenhorst und Ganderkesee sollten abgebaut werden. Sie schaden auf Dauer unserer wirtschaftlichen Entwicklung.
Der Landkreis will ein ambitioniertes Raumordnungsprogramm aufstellen. Wie sieht dafür der Zeitplan dafür aus?
EgerWir wollen bis Mitte des Jahres den Bereich Landwirtschaft diskutiert haben. Auch das Thema „wirtschaftliche Entwicklung“ wird derzeit aufgearbeitet. Ende des Jahres werden wir die Eckpunkte kennen. Wir brauchen ein vernünftiges Miteinander von Landwirtschaft und gewerblicher Entwicklung. Auch die Gemeinden müssen sich entscheiden, in welche Richtung sie sich weiter entwickeln wollen.
Was meinen Sie damit genau?
EgerOhne neue Gewerbe- und Industriegebiete wird es keine wirtschaftliche Entwicklung geben. Und auf Dauer wird es für die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises nicht gut sein, wenn wir Gemeinden mit hohem Gewerbesteueraufkommen haben und andere, die weit hinterher hinken. Was wir in Ahlhorn haben, müssen wir in Randbereichen zur Stadt Oldenburg oder zu Delmenhorst auch haben. Wir müssen unseren Einwohnern adäquate Arbeitsplätze anbieten.
Personell steht in diesem Jahr im Kreishaus eine Zäsur an. Wie werden die frei werdenden Führungspositionen wieder besetzt?
EgerWir schreiben die Stellen Jugendamtsleiter/in und Ordnungsamtsleiter/in aus. Um die Frauenquote auch auf Dezernatsebene zu repräsentieren, soll künftig eine Dezernatsstelle mit einer Frau besetzt sein.
Welche?
EgerIch möchte, dass Eva-Maria Langfermann, die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, das Baudezernat übernimmt. Es wird von mir geleitet. Ich würde dann das Sozialdezernat übernehmen, das bis zu seiner Pensionierung im Herbst von Robert Wittkowski geführt wird.
