Brake - Frauen haben kein technisches Verständnis und gehören deshalb nicht in handwerkliche Berufszweige – dieses Vorurteil ist mittlerweile längst überholt. Das bewiesen die 18 Teilnehmerinnen des Berufsorientierungstages für Frauen in der Wesermarsch am Dienstag. Sie zeigten reges Interesse an dem Beruf der Maschinen- und Anlagenführerin für Metall- und Kunststofftechnik und informierten sich über Inhalte und Ablauf der Ausbildung.
Die Frauen im Alter zwischen 26 und 55 Jahren lernten das Ausbildungszentrum „Halle 21“ der Zeit & Service Beschäftigungsfördergesellschaft des Landkreises kennen, in dem sie die 16-monatige Qualifizierungsmaßnahme absolvieren können. Von Ausbilder Jochen Beneken und Rainer Lüdemann erfuhren sie, dass vor allem technisches Verständnis und Mathematikkenntnisse für die spätere Tätigkeit von Vorteil seien. Aber auch ein hoher Theorieanteil gehöre dazu. „Für die Prüfung üben wir die Aufgaben regelmäßig. Wir lassen Sie dabei nicht alleine“, versichert Beneken. Eine Betriebsführung brachte die Teilnehmerinnen abschließend in Kontakt mit ihrem möglichen zukünftigen Arbeitsplatz.
Die Veranstaltung wurde von Ulla Bernhold, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wesermarsch, initiiert. Zudem waren die Gleichstellungsbeauftragte Karin Windheim-Czichon der Stadt Nordenham, das Jobcenter Wesermarsch und die Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven beteiligt.
Die Frauen gingen mit ganz unterschiedlichen Erwartungen an die Veranstaltung heran: Viele von ihnen hofften, beruflich längerfristig Fuß zu fassen. Einige wollten andere Berufe kennenlernen. Wichtig war zudem die Nähe zum Wohnort sowie die Kinderbetreuungsmöglichkeiten – und wie die Ausbildung damit zu vereinbaren sei.
Das fragte sich beispielsweise die alleinerziehende Rebekka Friedel: „An erster Stelle steht mein Sohn. Da ist vor allem die Kinderbetreuung ein Problem.“ Flexible Arbeitszeiten seien durch eine Teilzeit-Tätigkeit jedoch möglich, erfuhr sie.
Bei Elke Rowehl-Minßen muss auch das Finanzielle stimmen. Sie habe jedoch große Lust auf die Ausbildung. „In meinem alten Job als gelernte Dreherin bekomme ich keine Stelle mehr. Ich will mich jetzt umorientieren“, sagte sie.
Auf dem Arbeitsmarkt hätten die Frauen gute Chancen, erklärte Ausbilder Beneken. Momentan würden Facharbeiter in der Metallverarbeitung händeringend gesucht.
