Schortens - Sie ist es manchmal leid, sich so oft für ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte rechtfertigen zu müssen. Vor allem Männer halten das Thema für „nebensächlich“ oder für eine Aufgabe, „die man doch nebenbei miterledigen könnte“. Solche Beiträge und Diskussionen zum Thema Gleichstellung, wie sie in Schortens in den vergangenen Wochen geführt wurden, bringen Doris Fuhlbohm richtig in Wallung.
Keine Männersache
„Das ist keine Aufgabe, die man eben nebenher macht“, sagt Doris Fuhlbohm. Allein die Diskussion darüber sei würde- und respektlos. Das werde der Gleichstellung nicht gerecht, die immerhin ein von der Verfassung verbrieftes Recht sei. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau sei eine Säule unserer Demokratie. „Frauen, die mich aufsuchen, wollen sich nicht nur ausweinen. Die haben konkrete Fragen, die wollen etwas wissen“, sagt Doris Fuhlbohm. Dazu müsse man gut vernetzt sein, sich in vielen Bereichen auskennen, einen Plan haben.
Tatsächlich sind Männer, die bei ihr Rat und Hilfe in Lebenskrisen oder bei Konflikten in der Partnerschaft oder im Beruf suchen, die große Ausnahme. Der Bereich der Väter- oder Männerarbeit liege gesellschaftlich vollkommen brach, sagt Doris Fuhlbohm. Angebote, die sie mit männlicher Unterstützung erarbeitet habe, würden kaum angenommen.
Daher ist die Gleichstellung vor allem ein Frauenthema. Und deshalb glaubt Doris Fuhlbohm, dass ihr Nachfolger eine Nachfolgerin sein muss: „Die Zeit für einen männlichen Gleichstellungsbeauftragten ist noch nicht reif.“
Wie berichtet, geht Schortens’ langjährige Gleichstellungsbeauftragte in wenigen Tagen in die Freistellungsphase der Altersteilzeit, wie es offiziell heißt. „Ich bin dann mal weg“, sagt die 61-Jährige zu ihrem bevorstehenden Abschied nach 19 Jahren aus dem Rathaus, von den Kollegen, ihren Netzwerkfrauen und Mitstreitern für die Gleichberechtigung. Vor wenigen Tagen hat die Stadt Schortens – nach einigem politischen Hickhack – die Stelle neu ausgeschrieben.
Fuhlbohms ständige Themen sind der Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienphase, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Rat und Hilfe bei häuslicher Gewalt oder sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, bei Trennung und Scheidung, Integration und auch die Lohngerechtigkeit. „In vielen Branchen verdienen Frauen deutlich weniger als Männer, obwohl sie den gleichen Job machen.“
Keines dieser Themen sei wirklich abgehakt, frau muss an allem dranbleiben, sagt Doris Fuhlbohm. Was die tatsächliche Gleichberechtigung nach wie vor blockiere, sei die immer noch fest verankerte Arbeits- und Rollenverteilung in der Familie. „Der Mann geht Vollzeit arbeiten – und die Frau verdient bestenfalls ein Taschengeld dazu.“ Und wenn die Ehe eines Tages geschieden werden sollte, hat die Frau vor allem finanziell das Nachsehen. „Die Ehe als Gerant für eine lebenslange Versorgung der Frau gibt es nicht“, sagt Doris Fuhlbohm.
Viele Glücksmomente
Fuhlbohm, die sich selbst als „Mädchen der Frauenbewegung“ bezeichnet, hat bei vielen Veranstaltungen vor allem auch jungen Mädchen klar machen wollen, wie wichtig eine gute Berufsausbildung ist. Sie ermuntert Mädchen dazu, nicht nur den Blick auf frauenspezifischen Berufe zu richten. „Was man dort verdient, reicht meist nicht, um den Lebensunterhalt zu sichern.“
Glücksmomente hat Doris Fuhlbohm viele erlebt, wenn sie Frauen helfen konnte. „Aber ich schreibe jetzt nicht meine Memoiren.“
