FRECHEN - Ob Kaffee, Grillkohle, Autoscheibenwischer oder Mehl: Das Sortiment von Lekkerland liest sich wie ein bunter Gemischtwarenladen. „Zugegeben: Darunter sind viele Dinge, die sich nicht wirklich lohnen“, räumt Geschäftsführer Stefan Punke ein. „Mit 20 Prozent unserer Artikel machen wir 80 Prozent unseres Umsatzes.“ Aber der Markt sei hart und die Kunden – vor allem Tankstellen und Kioske – nähmen es übel, wenn irgendein Produkt nicht lieferbar sei.

Der Großhändler aus Frechen bei Köln feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Etwa 59 100 Kunden beliefert Lekkerland in Deutschland, neben Tankstellen und Büdchen auch Warenhäuser, Getränkemärkte, Fast-Food-Ketten und Kantinen. Das Konzept laute „Alles aus einer Hand“, wie Punke erläutert: „Wenn zum Beispiel ein Tankstellenbetreiber belegte Brötchen anbieten will, bekommt er von uns alles, was dafür nötig ist.“

Die Ursprünge von Lekkerland liegen in den Niederlanden, wo sich bereits 1955 mehrere Süßwarengroßhändler zu einem Verbund zusammenschlossen. Am 11. August 1960 wurde dann die Gründungsurkunde von Lekkerland Deutschland unterzeichnet. Der Name des Unternehmens ist an das holländische Wort „lekker“ angelehnt und bedeutet – frei übersetzt – „Schlaraffenland“.

Zwei Jahre später kam mit Sekt der erste Nicht-Süßwarenartikel ins Sortiment, das im Laufe der Zeit auf inzwischen 9000 Artikel ausgedehnt wurde. „Dabei versuchen wir, uns den Verbrauchergewohnheiten anzupassen“, sagt Punke. So gibt es seit einigen Jahren vermehrt „Convenience-Food“ wie Fertigprodukte und Tiefkühlkost.

Heute ist Lekkerland mit rund 6600 Beschäftigten in zehn europäischen Ländern aktiv. Im vergangenen Jahr erzielte die Gruppe trotz Wirtschaftskrise einen Gewinn von 55 Millionen Euro (2008: 49 Mio.) und einen Umsatz von 12 Milliarden Euro (2008: 11,6 Mrd.), mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Die Mitarbeiterzahl ist in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen – in Deutschland sank sie von fast 4700 im Jahr 2003 auf jetzt rund 3500 Beschäftigte. Wesentliche Gründe waren nach Angaben von Punke die Einführung des Dosenpfands 2003 sowie technische Neuerungen und Umstrukturierungen.


Auch in Ganderkesee (Kreis Oldenburg) wird für Lekkerland gearbeitet. Dort stehen ein 6900 Quadratmeter großes Food-Lager sowie ein Tabakwaren-Lager, das sich über 1100 Quadratmeter erstreckt. 94 Mitarbeiter sorgen dafür, dass 2700 Kunden von Cuxhaven bis Nienburg und von Haren/Ems bis Walsrode beliefert werden.

Den meisten Umsatz macht Lekkerland mit Tabakwaren. Ein weiteres Geschäftsfeld sind Telefonkarten und andere elektronische Guthabenkarten, die an rund 20 000 Terminals bundesweit aufgeladen werden können.

Große Hoffnungen setzt Lekkerland zudem auf das Thema „unterwegs essen“. Dabei geht es um vorgekochte, abgepackte Tellergerichte, die durch Erwärmen in der Mikrowelle rasch zubereitet und verkauft werden können.