FREREN/WERLTE - An die 900 Biogasanlagen wandeln derzeit in Niedersachsen Gülle, Mist und pflanzliche Stoffe in Strom und Wärme um. Bei dieser als umweltfreundlich geltenden Form der Energiegewinnung ist das Land bundesweit ein Vorreiter. „Grundsätzlich ist Biogas unter den erneuerbaren Energien der Alleskönner“, sagt Mathias Kirchhoff, Leiter der im emsländischen Freren ansässigen Lehranstalt für Landwirtschaft, Technik und Umwelt. Betreiber und Hersteller von Biogasanlagen sowie Wissenschaftler diskutieren in dieser Woche auf ihrer Jahrestagung in Leipzig

über Entwicklungen in der Branche.

„Die aus biologischen Ausgangsstoffen erzeugten Sekundärenergieträger können vom Biogas angefangen über elektrische Energie und Wärme bis hin zum Erdgas und Treibstoff alles abdecken“, so Kirchhoff. Anders als Wind- und Sonnenenergieanlagen unterlägen Biogasanlagen keinen witterungsbedingten Schwankungen und seien somit grundlastgeeignet.

Gleichwohl sehen Umweltschützer die Entwicklung skeptisch. „Grundsätzlich sind wir durchaus für die Bio-Energiegewinnung“, sagt Uwe Baumert, stellvertretender Vorsitzender der NABU-Landesgruppe Niedersachsen. Er warnt allerdings vor einer „Vermaisung“ der Landschaft. Der Maisanbau zur Futtergewinnung und für Biogasanlagen nehme dramatisch zu. Er fordert daher, speziell in Niedersachsen beim Bau weiterer Biogasanlagen „die Reißleine zu ziehen“.

In Deutschland gab es 2008 rund 4100 Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung von 1400 Megawatt. Nach wie vor haben die Bundesländer Bayern (36 Prozent) und Niedersachsen (17) den größten Anlagenbestand. Niedersachsen besetzt jedoch die Spitzenposition mit einem Anteil von 26 Prozent an der in Deutschland installierten Leistung.


Marie-Luise Rottmann-Meyer, Leiterin des 3N-Kompetenzzentrum Nachwachsende Rohstoffe in Werlte, sieht das Potenzial in Niedersachsen noch nicht ausgeschöpft. Angestrebt würden 1000 bis 1500 Anlagen. Darüber hinaus aber sei ein Betrieb von weiteren Anlagen aus Kostengründen nicht mehr realisierbar, weil der Markt übersättigt wäre.

www.biogas.org