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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Offene Fragen und Unmut zur Düngeverordnung

07.10.2017

Friedeburg Eine Stunde lang hatte der Experte der Landwirtschaftskammer erklärt und neue Paragrafen abgespult, da platzte dem Präsidenten des Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LHV) für Ostfriesland der Kragen: Der Experte – Heinz Hermann Wilkens von der neuen Düngebehörde der Kammer – war mit weiteren Kammervertretern aus Oldenburg ins „Deutsche Haus“ nach Friedeburg (Kreis Wittmund) gekommen, um Bauern zu erklären, welche neuen, schärferen und teils deutlich komplexeren Auflagen die novellierte Düngeverordnung des Bundes macht. Sie gilt seit Sommer.

Und LHV-Präsident Erich Hinrichs polterte: „Ich frage mich schon, wo die Kammer bei dieser Regelung fachlich eingebunden war – und wo ihr Sachverstand geblieben ist. Weil: Fachlich ist das schon ziemlicher Unsinn.“

Grund des Ärgers ist unter anderem, dass in der Neuverordnung die Salden für die Stickstoff- und Phosphat-Ausbringung deutlich gesenkt wurden und die geforderten Werte generalisiert und nicht auf die Anforderungen von Grünland angepasst sind. Gras benötigt und bindet mehr Nährstoffe als etwa Ackerpflanzen, und auch die Auswaschung ins Grundwasser ist geringer. „Die Neuregelung heißt für uns, dass wir Mineraldünger zukaufen müssen – ohne dass es dafür einen praktischen Grund gibt. Die vom Bund geforderten Werte sind für uns gar nicht einzuhalten“, schimpfte Hinrichs. In Ostfriesland sind etwa drei Viertel der Agrarflächen Grünland. Applaus brandete auf.

Ein anderer Landwirt wetterte: „Wir baden hier aus, was die Tiermastregionen versaubeutelt haben – dabei haben wir uns nichts zuschulden kommen lassen.“

Der designierte LHV-Präsident Manfred Tannen sprach ebenfalls von „überforderten Landwirten“ und „teils fehlendem Bezug zur Praxis“. Der mit mehr als 200 Teilnehmern rappelvolle Saal rumorte.

Hintergrund der verschärften Düngeverordnung ist, dass im Schnitt zu viel Nitrat im Grundwasser ist. Weil Deutschland die geforderten Werte der EU-Richtlinien über Jahre nicht erreicht hat, hat Brüssel ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik angestrengt. „Bedarfsgerechter“ soll die Düngung werden, sagte Kammer-Experte Wilkens. „Bislang war es damit ein bisschen wie auf deutschen Autobahnen – mit Richtwerten und wenig konkreten Vorgaben. Das wird jetzt deutlich anders. Jetzt werden auch Stopp-Schilder aufgestellt.“ Gefordert sind eine Vielzahl konkreter Angaben und Nachweise. Wer die Höchstwerte überschreitet, riskiert Bußgelder. Laut Wilkens will man über den Vergleich aller 42 000 Höfe in Weser-Ems Nährstoffströme genauer prüfen. Künftig sollen Landwirte auch akribisch dokumentieren, wie viel Dünger vom Hof auf die Flächen gelangt.

„Das Ganze ist generell sehr kompliziert – und wir merken, wie viele offene Fragen es noch gibt“, sagte Wilkens, der gemeinsam mit Kollegen die Kammer verteidigte. Man habe sehr viel Fachwissen eingebracht.

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