Friedeburg - Sie ist ein besonderes Kleinod der Natur, die Pingo-Ruine in der Gemeinde Friedeburg. Das Wrokmoor war über Generationen im Besitz der Familie Wolken. „Eigentlich sollte das Gebiet schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts trockengelegt werden – was natürlich alles zerstört hätte. Aber mein Opa hat sich immer dagegen ausgesprochen. Für ihn war es das wertvollste Stück von Friedeburg“, erzählt Hermann Wolken. Er hat das Gelände an den Landkreis Wittmund verkauft, und der Landkreis hat es der Naturschutzstiftung Friesland, Wittmund und Wilhelmshaven übertragen.
„Pingo“ bedeutet in der Eskimo-Sprache der Inuit soviel wie „schwangere Frau“. Denn wie der Bauch einer Schwangeren wird ein Pingo-Hügel erst immer größer und wird dann wieder flach. Diese besonderen Bodenformationen entstanden in Zeiten des Permafrosts – also in Eiszeiten, wenn der Boden auch im Sommer dauergefroren ist.
Unter der gefrorenen Erde befindet sich Grundwasser. Wenn dies einen Weg in die gefrorene Erdschicht findet, bildet sich ein Eiskern, der immer weiter wächst, solange weiterhin Wasser eindringt. Das Ganze schiebt sich pilzförmig nach oben und bildet einen Hügel.
Siedlung in der Steinzeit
Diese Hügel können bis zu 100 Meter hoch und 300 Meter breit werden. Irgendwann rutscht die Erde an den Rändern hinab und legt den Eishügel frei, der dann im Sommer zu schmelzen beginnt. Dadurch fällt der Hügel in sich zusammen, weil immer mehr Erde abrutscht. Nach der Eiszeit löst sich das Eis gänzlich auf. Was übrig bleibt, sind die Randwälle und in der Mitte ein größeres Loch: die Pingo-Ruine. Darin bildet sich in der Regel ein See.
Diese Plätze waren in der Steinzeit bevorzugte Siedlungsplätze – es wurden in der Nähe steinzeitliche Artefakte gefunden. Im Laufe der Zeit ist der See meist verlandet. Aus diesem Verlandungsschlamm bildet sich ein Moor. Der daraus resultierende Torf wurde häufig abgebaut, oder die Flächen wurden trockengelegt und landwirtschaftlich genutzt. Dadurch sind viele Pingo-Ruinen zerstört worden, doch nicht das Wrokmoor bei Friedeburg.
Axel Heinze, Vorsitzender des NABU Wittmund, ist ausgewiesener Pingo-Experte. In Norddeutschland gibt es nach Heinzes Angaben sehr viele dieser Pingo-Ruinen, aber nur wenige sind bislang untersucht und kartiert. Die Pingo-Ruine im Wrokmoor in der Gemeinde Friedeburg bezeichnet er als „eine der Schönsten, denn sie hat noch die originäre Vegetation“. Damit dies auch so bleibt, hat der Landkreis Wittmund das Wrokmoor, auf dem die Pingo-Ruine steht, gekauft. Anschließend wurde die Fläche der Naturschutzstiftung übertragen. Bereits 2016 wurde zur Abgrenzung des Bereichs zur landwirtschaftlichen Nutzfläche eine 320 Meter lange Wallhecke angelegt. Der Grundwasserspiegel wurde schon im Jahr davor erhöht. Ein kleinerer Teil, der bislang als Acker genutzt wurde, ist in Grünland umgewandelt worden.
Hermann Wolken, der ehemalige Besitzer, bewirtschaftet jetzt als Pächter 3,8 Hektar extensiv unter naturschutzrechtlichen Einschränkungen und Vorgaben. Die Pingo-Ruine war über Generationen im Besitz der Familie Wolken.
Der stellvertretene Geschäftsführer der Naturschutzstiftung und Altbürgermeister der Gemeinde Friedeburg, Hillrich Reents, betont den großen Wert: „Dank der positiven Einstellung der Vorbesitzer zu den geologischen Besonderheiten des Grundstückes kann das Wrokmoor mit der Pingo-Ruine der Nachwelt erhalten und für die Natur und Landschaft langfristig geschützt werden.“
Probegrabungen in Zetel
Auch in der Gemeinde Zetel vermuteten Naturschützer eine Pingo-Ruine im Runden Moor. Das konnte aber nicht bestätigt werden. Bei Probegrabungen wurden außerdem keine Relikte einer früheren Besiedlung gefunden. An der Stelle beginnt in Kürze der Bau einer Tagespflegeeinrichtung.
