FRIEDLAN - Sie haben immer noch Angst: „Bitte schreiben Sie unsere Namen nicht auf.“ Der Drucker Faruk G. (58) aus dem umkämpften Stadtteil Dora in Bagdad im Irak und seine Frau Nur haben Schreckliches durchgemacht: Nun sitzen sie mit ihren Söhnen Wissam (11) und Jusuf (14) auf einer Bank im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen in der Sonne. Die Familie gehört zur ersten Gruppe von 2500 Irak-Flüchtlingen, die Deutschland in den nächsten Monaten aufnehmen will.

„Islamisten hatten mich und meinen ältesten Sohn im November 2006 entführt. Sie wollten Geld, nur weil wir Christen sind, aber wir hatten längst alles auf dem Schwarzmarkt ausgegeben, um nicht zu verhungern. Sie haben uns solange geschlagen, bis eine Tante von uns, die im Libanon lebt, nach einigen Tagen 50 000 Dollar schickte, um uns freizukaufen“, berichtet der Familienvater.

„Wir waren wieder zusammen und wir wussten, jetzt ging es um Leben oder Tod. Ich drängte, hatte Angst um die Kinder. Wir mussten weg“, sagt seine Frau. „Unser Haus lag mitten im Kampfgebiet. Am Morgen des ersten Weihnachtstages 2006 krachten vor unserer Haustür wieder Schüsse.“ Das sei das Signal zum Aufbruch gewesen.

Auf Schleichwegen brachte ein Taxifahrer die Familie über die offene syrische Grenze nach Damaskus. „Dort waren schon Hunderttausende von Flüchtlingen aus dem Irak. Ich habe zwölf Stunden in einer mehrere hundert Meter langen Schlange gestanden, um uns registrieren zu lassen.“

„Im März sickerte zuerst als Gerücht durch, dass Europa Flüchtlinge aufnimmt. Unser Wunschland war Deutschland, weil wir in Oldenburg einen entfernten Verwandten haben“, erzählt Faruk G. „Am 16. März kam tatsächlich ein Anruf. Die Deutsche Botschaft teilte uns mit, dass wir reisen durften. Drei Tage später saßen wir im Flugzeug nach Hannover.“


Die meisten der im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen Mitte März eingetroffenen 119 Irak-Flüchtlinge haben das Lager bereits wieder verlassen. Die Iraker, die von Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen aufgenommen werden, bleiben jedoch zu einem Integrations- und Sprachkurs in Friedland.

Auch die Familie bleibt für drei Monate im Lager. Die Eltern machen den Integrationskurs. Die Kinder besuchen die Schule, bevor sie nach Oldenburg kommen. „Wir werden uns in Oldenburg um die Familie kümmern“, versichert der Nahostreferent der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker, Kamal Sido.