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Gnadenhochzeit Seit 70 Jahren glücklich miteinander

FRIEDRICH-AUGUST-HüTTE - Hans Deharde war in Lebensgefahr, jeder Tag konnte sein letzter sein. Da entschloss er sich, seiner Freundin Henny Beek einen Heiratsantrag zu machen. Henny sagte ja, und am 12. Juni 1942 fand ihre Trauung statt. Mitten im Inferno des Zweiten Weltkriegs.

Beide 95 Jahre alt

70 Jahre ist das an diesem Dienstag her, und die beiden hätten damals nicht zu hoffen gewagt, dass ihnen noch ein so langes, glückliches Leben bevorstehen könnte. Deshalb feiern die zwei 95-Jährigen heute in den Weserterrassen voller Dankbarkeit ihre Gnadenhochzeit.

Henny Deharde ist die Tochter von Harm Beek, der einmal mit 101 Jahren der älteste Nordenhamer war. Geboren wurde sie am 3. September 1916, im Ersten Weltkrieg, an der Niedersachsenstraße in Einswarden, die damals Weserstraße hieß. Ihr Vater arbeitete auf der Frerichs-Werft.

Henny Beek besuchte die Ostschule an der Heiligenwiehmstraße und ging anschließend, wie es üblich war, in Stellung. Das heißt, sie war eine Haushaltshilfe, die von morgens um 7 bis nach dem Abendessen bei Besserverdienenden das Essen zubereitete, den Tisch deckte und putzte – 6 Tage in der Woche für 12 Reichsmark in Monat. Ihr erster Arbeitgeber war der Ingenieur Reuß von den Metallwerken, es folgten eine Station in Bremerhaven und der Uhrmacher Theodor Schmidt im heutigen Café Lohmann.

Sonntagsabends ging sie aus und vergnügte sich auf dem Tanzboden der Blexer Gaststätte Freels, heute „Weserblick“. Dort forderte sie im Frühjahr 1938 der Schiffstischler Hans Deharde zum Walzer auf. Das ging Sonntag für Sonntag so, und bald waren die beiden ein Paar.


Hans Deharde wurde am 8. August 1916 an der Mittelstraße in Phiesewarden geboren, sein Vater arbeitete auf der Werft und im Metallwerk. Hans besuchte die Volksschule Phiesewarden und begann 1930 auf der Frerichswerft eine vierjährige Lehre zum Schiffstischler. Ehe er abgeschlossen hatte, war die Einswarder Werft pleite und er wechselte zur Bremerhavener Seebeckwerft.

Dann kam der Arbeitsdienst: Sechs Monate Gräben ausheben im Moor bei Wardenburg und nachmittags mit mit blank gewienerten Spaten wie mit einem Gewehr exerzieren. Danach kehrte er zur Seebeck-Werft zurück, und 1938 begann sein Militärdienst. Beim verlustreichen Russland-Feldzug beschloss er, seine Henny zu heiraten, die kirchliche Trauung holten sie bei seinem Heimaturlaub Ende 1942 in Blexen nach.

Im Frühjahr 1945 gelang Hans Deharde in Österreich die abenteuerliche Flucht aus der Wehrmacht. Er schwamm durch die reißende Enz, wanderte in Zivil auf leeren Reichsautobahnen und traf am 1. Juli seine Henny wieder – endlich! Die hatte im Krieg als angelernte Schlosserin bei Weserflug arbeiten müssen und nach dem Krieg den Hunger kennengelernt.

Doch jetzt begannen die guten Jahre. Denn Hans Deharde traf einen alten Fußball-Kumpel vom ehemaligen Arbeitersportverein Einswarden, der ihm einen Job im amerikanischen Depot auf dem Gelände der früheren Frerichswerft und von Weserflug verschaffte. Nun konnte Hans Deharde immer etwas zu essen organisieren. 1946 wurde die Tochter Ingrid geboren, 1948 der Sohn Hans-Hermann.

Als das Depot aufgelöst wurde, durfte Hans Deharde als Wachmann bleiben, ab 1956 nahm er am Wiederaufstieg des Flugzeugbaus teil. Er war im Fuhrbetrieb tätig und chauffierte auch 5 Jahre lang den Chef.

Seit 1958 in FAH

1958 kauften die Dehardes ihr Haus an der Gorch-Fock-Straße 16, in dem sie heute noch wohnen. Bald stand auch das erste Auto vor der Tür – ein Fiat 600.

1980 ging Hans Deharde in Rente. Mit ihren Kindern, den Enkeln Karen, Marc und Stefanie und den Urenkeln Arne, Annalena und Paul verstehen sich die Dehardes bestens. Die Kinder helfen ihnen beim Einkaufen und bei der Hausarbeit, so dass sie weiter selbstständig wohnen können. Auch das ist eine Gnade.

 @ Sie können online gratulieren unter

http://www.NWZ-Hochzeit.de

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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