FRIEDRICH-AUGUST-HüTTE - Volker Garms ist neuer Leiter der Jugendhilfe. Zum Jahreswechsel hat der 54-jährige Diplom-Sozialpädagoge und Sozialarbeiter aus Bremerhaven die Nachfolge von Christian Arnold angetreten. Garms war bislang in der offenen Jugendarbeit der Seestadt tätig.
95 Prozent Männer
Christian Arnold, ebenfalls Diplom-Sozialpädagoge und Sozialarbeiter, ist jetzt in der Jugendgerichtshilfe der Kreisverwaltung tätig, wo er die Nachfolge von Michael Haak antritt. Arnold war bei der Jugendhilfe seit deren Gründung im Oktober 1983 tätig gewesen, 1992 hatte er die Leitung des Hauses an der Blexersander Straße 6 übernommen.
Bei der Jugendhilfe traf Christian Arnold die Straftäter nach ihrer Verurteilung, jetzt lernt er sie vor der Gerichtsverhandlung kennen. Er kümmert sich um ihren Familien- und Freundeskreis, ihre Schulkarriere, fragt, ob sie in Ausbildung sind. Dann macht er Vorschläge für ein Urteil. „Das Jugendgericht hat viel mehr Möglichkeiten als das Erwachsenengericht“, sagt Christian Arnold. „Es kann Mahnungen aussprechen, Weisungen erteilen und Freiheitsstrafen verhängen. Das Jugendgericht will nicht strafen, es will erziehen.“
Zu den Weisungen gehört die sogenannte betreute gemeinnützige Arbeit, wie sie die Jugendhilfe in Nordenham anbietet. Volker Garms kümmert sich gerade um sieben Jugendliche, darunter eine junge Frau. Sie ist Schulverweigerin und wegen Körperverletzung verurteilt worden. Garms bemüht sich darum, sie in einer Einrichtung außerhalb der Wesermarsch unterzubringen.
Frauen sind bei der Jugendhilfe eine seltene Erscheinung, sagt Christian Arnold. Nur fünf Prozent der Betreuten sind weiblich. Arnold spricht von einem „homogenen männlichen Umfeld“. Er zitiert Erkenntnisse des Kriminologen Christian Pfeiffer, nach denen jeder männliche Jugendliche einmal eine strafbare Handlung begeht. Durchschnittlich fünf Prozent eines Jahrgangs stehen als Jugendliche vor Gericht, davon machen wiederum sieben Prozent eine Knastkarriere. Jugendkriminalität sei „eine Phase“, sagt Arnold, „wir versuchen die Jugendlichen über die kritische Zeit zu retten, damit sie nicht auf die schiefe Bahn kommen. Es ist noch keiner besser aus dem Knast wiedergekommen.“
Wie viele Jugendliche dank der Jugendhilfe tatsächlich in ein geregeltes bürgerliches Leben finden, kann Christian Arnold nicht sagen: Es gebe keine Statistiken darüber. „Wir gehen davon aus, dass wir die Jugendlichen nur positiv beeinflussen können.“ Insgesamt sei die Kriminalität rückläufig.
Dafür sind die Ursachen umso eindeutiger, sagt der Vorsitzende des Vereins Jugendhilfe, der Rechtsanwalt Jost Richter: Vernachlässigung in der Familie, Eltern, die keine Vorbilder sind, und falsche Freunde. „Die finden sich“, sagt Volker Garms.
Gruppen aufbrechen
„Entscheidend sind die Peer-Groups“, ergänzt Christian Arnold. „Einzeln sind die Jugendlichen gut zu ertragen, aber in der Gruppe geht die Post ab.“ Deshalb gehe es darum, die Gruppen auseinander zu reißen und „die Jungs dazu zu kriegen, dass sie sich outen und sagen: Ich mache nicht mehr mit.“ Dazu brauchen sie ein größeres Selbstbewusstsein – und das soll bei der Jugendhilfe das Möbellager und die Holzwerkstatt vermitteln, aber eben auch die Betreuung. „Das ist die Kunst unseres Berufes“, sagt Christian Arnold.
Ab jetzt übt sie Volker Garms aus. Meldung
