FRIEDRICH-AUGUST-HüTTE - Der Anfang war sehr schwierig. 1931 zog sich der Großaktionär Beer, Sondheimer & Co. zurück.
von henning bielefeld
FRIEDRICH-AUGUST-HÜTTE - Am 26. September 1906 wurde in Bremen ein folgenreicher Vertrag besiegelt. Der Norddeutsche Lloyd unter Generaldirektor Dr. Heinrich Wiegand und die Rohstoffimporteure Beer, Sondheimer & Co. aus Frankfurt am Main einigten sich auf die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens. Sein Name: Metallwerke Unterweser AG (MUAG). Sein Zweck: die Erzeugung von Zink und Blei.Am 20. Oktober 1906 wurde es ins Handelsregister des Großherzoglichen Amtsgerichts Butjadingen in Ellwürden eingetragen. Das Grundkapital betrug 3,5 Millionen Mark. Insgesamt gab es zehn Gründer, die das gesamte Aktienkapital übernahmen. Das Unternehmen sollte sich auf der freien Fläche am seeschifftiefen Wasser zwischen NSW und Frerichswerft ansiedeln.
Ideengeber war Wiegand gewesen, der eine Hütte zur Verarbeitung australischer Zinkerze errichten lassen wollte, die von einer neuen Frachtdampferlinie des Norddeutschen Lloyd transportiert werden sollte. Zusätzlich sollte aus den schwefelhaltigen Zinkerzen Schwefelsäure gewonnen werden, mit der in einer weiteren Fabrik Phosphatsteine aufgeschlossen werden sollten, die ebenfalls mit den Frachtern angeliefert wurden. Dieses Unternehmen erhielt den Namen „Superphosphat“ und wurde am 26. November 1906 als Tochterunternehmen der Hütte gegründet. Es bestand bis Anfang 1988.
Zusätzlich sollte eine Bleihütte zur Gewinnung von Blei aus Bleiaschen und Zwischenprodukten, aber nicht aus Bleierzen gebaut werden. Gegen die Pläne erhob sich massiver Widerstand, unter anderem von Seiten der Norddeutschen Seekabelwerke (NSW) und der Gemeinde Esenshamm. Am 22. November 1906 erteilt das Amt Butjadingen die Betriebserlaubnis für eine Anlage, allerdings ohne die Bleihütte. Gerade der Einspruch von NSW löste eines der umfangreichsten Prüfverfahren der damaligen Zeit aus, das am 3. September 1907 mit einer Genehmigung der oldenburgische Regierung mit verschärften Umweltauflagen endete.
Im Juli 1908 nahm die Zinkhütte ihren Betrieb auf, am 8. September 1908 gestattete Großherzog Friedrich August von Oldenburg (1900 bis 1918) dafür den Namen Friedrich-August-Hütte.
Am 12. März 1912 genehmigte die großherzogliche Regierung den Bau einer Bleihütte. Und am 20. Dezember 1914 wurde auch die Verarbeitung von Bleierzen erlaubt. Damals beschäftigte das Unternehmen 750 Mitarbeiter. Sie kamen aus der Umgebung, aber auch aus Ostfriesland, Holland, Vorpommern und Schlesien. 1910 ließ die MUAG eine erste Siedlung für sie bauen: Phiesewarden.
Der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 brachte einen großen Rückschlag. Am 1. Juli 1919 musste die Produktion wegen Rohstoffmangels sogar völlig eingestellt werden. Von den Auswirkungen des Krieges konnte sich das Unternehmen nicht wieder erholen. Dazu trugen auch die Hyperinflation 1922/23 und die Weltwirtschaftskrise ab 1929 bei. Unglücksfälle wie der Brand der Schwefelsäurefabrik am 28. Juni 1924, die Zerstörung der beiden Pierkräne durch einen Wirbelsturm am 2. August desselben Jahres und die erneute Zerstörung einer Kranbrücke durch Sturm 1927 warfen das Unternehmen weiter zurück. Erst 1930 war der Ausbau beendet.
1931 zog sich der Großaktionär Beer, Sondheimer & Co. zurück, 1933 wurden alle Aktien an das Reich übergeben.
