Friedrichsfehn/Thandwe - „Myanmar ist ein von der Kolonialmacht England hinterlassener Vielvölkerstaat“, erklärt Dr. Roland Ernst. Und das berge gewaltiges Konfliktpotenzial, wie aus der aktuellen Lage im Land ersichtlich wird. Der Zahnarzt aus Friedrichsfehn hilft seit 2011 ehrenamtlich immer wieder im rund 8137 Kilometer entfernten Land und arbeitet in einer Zahnarzt-Station in Thandwe mit.
Thandwe ist eine Provinzhauptstadt des Rakhine-Staats, dem Teil Myanmars, in dem die Rohingya leben. Seit dem 25. August sollen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration mehr als 420 000 muslimische Rohingyas aus Myanmar ins benachbarte Bangladesch geflohen sein, um der Verfolgung durch Anhänger des Buddhismus zu entkommen. Die internationale Presse ist seitdem voller Meldungen – und viele Freunde fragen die Ernsts: „Ist es nicht gefährlich für euch?“
„Als ausländische Hilfskräfte genießen wir dort ein hohes Ansehen. Und da wir ja bereits zum fünften Mal dorthin fliegen, sind wir vor Ort auch bekannt“, sagt Angelika Ernst. Größere Sorgen als bei vorherigen Besuchen scheinen sich die Beiden nicht zu machen.
Wie aber kommt ein Zahnarzt aus Friedrichsfehn nach Myanmar, um dort der Bevölkerung zu helfen – nicht nur mit dem Bohrer, sondern auch mit Vorsorge und einem Verständnis für Prophylaxe?
Auslöser war der Zyklon Nagris, der 2009 über Myanmar wütete und mindestens 84 500 Todesopfer forderte. Damals wollten Roland und Angelika Ernst helfen, was sie auch taten. Zunächst in der akuten Not mit Spenden für Boote, dann mit einer mobilen Zahnarztstation. Wobei „die 10 000 Zahnbürsten, die wir mitnehmen, wichtiger sind als der Bohrer oder die Zange“, erklärt Roland Ernst.
Mit ihrer Assistentin Waiwai, die in Myanmar lebt und dolmetscht, versuchen die Ernsts, mit rund sieben anderen Zahnärzten zwischen November und Februar vor Ort zu sein und die Schulen und Kindergärten zu besuchen. Denn dort müsse natürlich begonnen werden, einen Grundstein für das Bewusstsein über die Wichtigkeit von Zahnpflege zu legen. Dies sei nicht immer einfach, da wenig Lehrer Englisch sprächen – diejenigen die es täten, könnten als Touristenführer mittlerweile ein Vielfaches von dem verdienen, was sie als Lehrer bekämen, erklärt Roland Ernst. Ein weiteres Problem sei, dass sich auf dem Land keine Zahnärzte niederließen, da die arme Bevölkerung diese gar nicht bezahlen könne. Oft würden die Ernsts dann beim nächsten Besuch von vorne anfangen. Doch aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Und so packen die Friedrichsfehner bald wieder ihre Koffer, um am 5. November nach Myanmar zu fliegen.
