FRIEDRICHSFEHN - Seinen Urlaub verbringt die Mediziner seit drei Jahren in Ostafrika, um den Menschen dort zu helfen. Unterstützt werden sollen auch so genannte „Aids-Witwen“.
Von Bernhard Kühne
FRIEDRICHSFEHN - Dr. Roland Ernst ist ein „Exot“: Wenn er seiner Tätigkeit in Nyabondo nachgeht, wird der sportliche 59-Jährige von vielen mit großen Augen betrachtet: Im Hochland von Westkenia ist ein Weißer ohnehin schon etwas Besonderes, und dass ein Zahnarzt in die Nähe des Viktoria-Sees kommt, nicht um dort Urlaub zu machen, sondern um zu arbeiten, das ist für viele kaum fassbar.Kürzlich war der Friedrichsfehner wieder einmal nach Ostafrika. Zum dritten Mal besuchte der Mediziner die Region, für die seit 2002 sein Herz schlägt. Dr. Roland Ernst gehört zur „Arzt- und Zahnarzthilfe Kenya“ (AZK), einem gemeinnützigen Verein, dessen Mitglieder – allesamt Mediziner – sich in ihrem Urlaub oder Freizeit ehrenamtlich um die Bevölkerung im Kenia kümmern. 2002 war der Friedrichsfehner erstmals in Ostafrika, um die dortige Bevölkerung zahnmedizinisch zu versorgen; seitdem ist er für die AZK auch im Vorstand tätig.
„Die Arbeit, die meine Kollegen und ich in Ostafrika leisten, soll Hilfe zur Selbsthilfe sein,“ so der Ammerländer. Die „Arzt- und Zahnarzthilfe Kenya“ sorge dafür, das beispielsweise Missionsstationen mit zahnärztlichen Materialien und Instrumenten ausgestattet würden, dass diese Behandlungsgeräte gepflegt würden und medizinisches Personal vor Ort ausgebildet werde.
Außerdem bieten Ernst und seine Mitstreiter Prophylaxeprojekte an mit dem Ziel, insbesondere Schulkinder über Zahnpflege zu informieren und Zahnkrankheiten zu verringern. Für diese Projekte werden kenianische Krankenschwestern ausgebildet. „Wir wollen den Kenianern soviel Fachwissen vermitteln, dass sie eines Tages in der Lage sind, nicht nur in der Hauptstadt Nairobi die medizinische Versorgung zu gewährleisten“, so der 59-Jährige.
Über zahnärztliche Unterstützung geht die Hilfe inzwischen weit hinaus. „Bei unseren Einsätzen erlebten wir nahezu täglich, wie in Nyabondo Kinder und junge Erwachsene infolge ihrer HIV- Infektion sterben,“ erklärt Roland Ernst.
Aids ist in Kenia sehr stark verbreitet und hat die sozialen Strukturen verändert. Wenn beispielsweise ein Familienvater sterbe, so Ernst, kümmere sich die Familie des Mannes normalerweise um die Witwe und deren Kinder und versorge sie. Wenn das Familienoberhaupt jedoch an Aids sterbe, würden die Hinterbliebenen geächtet, weil man sie für infiziert halte. Witwe und Kinder seien dann allein auf sich gestellt. Um solche Menschen zu unterstützen, hat die Ärzte-Initiative das Projekt „Witwenzufluchtshaus“ entwickelt. In Nyabondo soll ein solches Zentrum entstehen.
Seinen vierwöchigen Jahresurlaub, „ irgendwann zwischen November und Februar“, nutzt Ernst regelmäßig für Einsätze in Kenia. „Als wir zum ersten Mal hier eintrafen, um Zahnbehandlungen vorzunehmen, waren wir sehr verblüfft,“ schildert Dr. Ernst, „in Ostkenia gibt es Menschen, die noch nie einem Europäer gegenüberstanden.“
Die Begegnungen in einem der ärmsten Länder der Erde machen den Friedrichsfehner nach seiner Rückkehr immer sehr nachdenklich. „Man relativiert seine Sicht auf die Dinge. In Deutschland ist medizinische Versorgung auf hohem Niveau völlig selbstverständlich. Wenn man ‘mal in Afrika gewesen ist, dann weiß man, in welchem Paradies wir leben.“
