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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Nationale Maritime Konferenz: Werften und Reeder fordern fairen Wettbewerb

21.05.2019

Friedrichshafen /Leer Mehr als 800 Politiker, Unternehmens- und Verbandsrepräsentanten, Gewerkschafter und Marinevertreter kommen in dieser Woche zur 11. Nationalen Maritimen Konferenz in Friedrichshafen am Bodensee zusammen. Erstmals nach 20 Jahren tagt die Konferenz am 22. und 23. Mai im Binnenland, um die Bedeutung der Zulieferindustrie zu unterstreichen und das Gewicht der maritimen Wirtschaft außerhalb Norddeutschlands.

Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Nordrhein-Westfalen sind bedeutende Standorte für die Schiffbau-Zulieferindustrie mit Unternehmen wie dem Hersteller der weltgrößten Schiffsmotoren MAN, Siemens, MTU, ZF und vielen weiteren Anbietern von Navigations- und Antriebstechnik. Allein die Zulieferindustrie beschäftigt bei einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro mehr als 63 000 Mitarbeiter. Rund 80 Prozent der Wertschöpfung beim Bau eines Schiffes entfallen auf die Zulieferungen. Insgesamt werden der maritimen Wirtschaft rund 50 Milliarden Euro Umsatz und 400 000 Arbeitsplätze zugeordnet.

Die deutschen Werften – eine Branche mit mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz und 20 000 Beschäftigten – fordern vor allem faire Wettbewerbsbedingungen, um sich der chinesischen Offensive zu erwehren. China will in den Bau von hochkomplexen Kreuzfahrtschiffen einsteigen, die Domäne des deutschen Schiffbaus. „Seit Jahrzehnten erleben wir Marktverzerrungen ohne Gegenmittel“, sagt Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbandes VSM. „Das muss aufhören.“

Die Reedereien, denen immer noch die schwere Schifffahrtskrise der vergangenen zehn Jahre in den Knochen steckt, sind ebenfalls an gleichen Wettbewerbsbedingungen interessiert, vor allem gegenüber den europäischen Nachbarländern. Die deutsche Handelsflotte ist von einstmals 3500 auf knapp 2300 Schiffe geschrumpft, die Zahl der Reedereien von mehr als 400 auf 330. Die Schifffahrt findet nur noch schwer Zugang zu Krediten und fühlt sich zudem durch spezielle Steuerregeln benachteiligt. „Ich höre immer wieder, dass die Politik sagt, die maritime Wirtschaft sei eine Schlüsselindustrie für Deutschland“, sagt der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann aus Leer. „Aber den Worten müssen auch Taten folgen.“

Die 22 Seehäfen in Deutschland fordern vor allem dauerhaft hohe Investitionen in die Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur. „Deutschland ist Export- und Logistikweltmeister“, sagt Frank Dreeke, Präsident des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). „Unsere Seehäfen ermöglichen diesen Erfolg.“

Die Gewerkschaften verlangen, dass der Schiffbau aufgewertet wird. „Von Wirtschaftsminister Peter Altmaier erwarten wir in Friedrichshafen eine klare Zusage, dass die maritime Wirtschaft in der nationalen Industriestrategie aufgegriffen wird“, sagt Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Die IG Metall fordert zudem eine stärke Zusammenarbeit der Unternehmen auf nationaler und europäischer Ebene.

Der Appell an mehr europäische Zusammenarbeit dürfte auch bei Norbert Brackmann (CDU) auf offene Ohren stoßen, dem Maritimen Koordinator der Bundesregierung. „Wir wollen ein internationales Signal setzen; deshalb ist auch mein französischer Kollege dabei“, sagt er. Kanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und EU-Kommissar Günther Oettinger werden als Gastredner sprechen.

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