Friesland - Der Strukturwandel in der Landwirtschaft ist in den vergangenen zehn Jahren nicht spurlos an der Wesermarsch und an Friesland vorbeigegangen: Es gibt weniger, dafür größere Betriebe. „Aber Milchviehbetriebe sind nach wie vor Familienbetriebe und mit der Milchproduktion können sie immer noch profitabel wirtschaften“, sagt Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolks Friesland. „Davon profitieren auch viele Betriebe im vor- und nachgelagerten Bereich – Molkereien, Lohnunternehmen, der Landhandel und das Handwerk. Eine starke Milchwirtschaft hält den ländlichen Raum lebendig.“
In den Jahren 2008 und 2009 hatten viele Landwirte in der Wesermarsch und in Friesland enorme Sorgen: Der Milchpreis war im Keller und bei etlichen Betrieben wurde es wirtschaftlich eng. In dieser Situation rückten die beiden Kreislandvolkverbände, die Kreis-Landfrauen, die Arbeitskreise junger Landwirte und der Arbeitskreis aktive Bäuerinnen Wesermarsch zusammen und gründeten das „Aktionsbündnis Milch“.
Zusammenhalt stärken
„Unser Ziel war, die Bedeutung der Milchwirtschaft für den ländlichen Raum in den Fokus zu rücken und gleichzeitig den Zusammenhalt der Milchbauern zu stärken“, berichten Ute Cornelius, Vorsitzende der Kreis-Landfrauen Wesermarsch, und Ellen Kromminga-Jabben, Vorsitzende in Friesland/Wilhelmshaven. Immer zum Tag der Milch am 1. Juni wurden seitdem zahlreiche Aktionen auf die Beine gestellt – von Kundgebungen über Partys, einer Fahrradtour, mehreren Fotoaktionen bis zum „Milch-Filmfest“ mit Präsentation eines YouTube-Clips. In diesem Jahr ist am 1. Juni eine „Nacht der Milch“ in Großenmeer geplant.
Die Zahl der Milchviehbetriebe in den beiden Landkreisen ist von etwa 1100 im Jahr 2009 auf rund 720 Betriebe gesunken, aber die Zahl der Milchkühe sowie die Milch-Menge ist nahezu konstant geblieben. „Die Milchwirtschaft auf dem Grünland ist flächengebundene Landwirtschaft“, sagt Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolks Wesermarsch. „Die Betriebe produzieren das Grundfutter für ihre Tiere auf eigenen Flächen, daher stehen Fläche und Tierzahl in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander und es gibt keine Nährstoffüberschüsse.“ Der regionale Kreislauf funktioniert auch bei der Weiterverarbeitung der Milch: Der allergrößte Teil wird an Molkereien im Umkreis von maximal 100 Kilometern geliefert.
Erhalt der Landschaft
„Die Milchproduktion ist die wirtschaftlichste Verwertungsmöglichkeit von Gras- und Grünland“, betont Karsten Padeken. „Die Milchwirtschaft erhält unsere einzigartige Kulturlandschaft an der Küste mit den grünen Weiden, den Wassergräben und den Deichen – aber nur, wenn wir damit auch Geld verdienen.“ Die Landwirte und ihre Familien engagierten sich darüber hinaus in Vereinen, Kirchengemeinden, in der Politik oder in der Feuerwehr und tragen somit zum lebendigen Dorfleben bei.
Damit es auch in den kommenden Jahrzehnten noch bäuerliche Milchviehbetriebe in der Wesermarsch und in Friesland gibt, wünschen sich die Landwirte vor allem verlässliche Rahmenbedingungen – sie brauchen finanzielle Planungssicherheit, damit sie ihre Betriebe weiterentwickeln können.
Auch die Wertschätzung ihrer Arbeit ist ihnen wichtig – das Bewusstsein, dass sie sieben Tage die Woche, an 365 Tagen im Jahr für ihre Tiere da sind und gesunde und hochwertige Lebensmittel herstellen. Und nicht zuletzt benötigen sie einen auskömmlichen Preis. „Die großen Handelsriesen dürfen ihren Preiskampf nicht auf dem Rücken der Landwirte austragen“, sind sich die Akteure einig.
