FRIESLAND/JEVER - FRIESLAND/JEVER - Das Handwerk funktioniert nicht ohne die Frauen: In rund 62 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland arbeiten die Frauen in leitender Position mit. „Wir sind die Motoren im Betrieb – wenn wir nicht mitarbeiten, kann der Betrieb nicht laufen“, sagt Angelika Kirschner, Vorsitzende des Arbeitskreises Friesland der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH).
Zum Teil sozialversicherungspflichtig angestellt, zum Teil mit dem Status als mithelfende Familienangehörige übernehmen die Handwerksfrauen neben Buch- und Personalführung, Marketing und Materialwirtschaft, Büroausstattung, Berufsbekleidung, Telekommunikation und EDV die Rolle der Mittlerin und Verteilerin. „Es sind die Frauen, die den Überblick haben und neue Ideen einbringen, sie nehmen die Arbeit an, verteilen sie und kümmern sich um die Kunden“, sagt Angelika Kirschner, die selbst im familieneigenen Elektro-Betrieb in Hohenkirchen mitarbeitet.
„Frauen wachsen über sich hinaus, wenn sie Verantwortung im Betrieb übernehmen“, weiß Edith Wagner von Hase Sicherheitstechnik in Jever. Doch was den Unternehmerinnen meist fehlt, ist der Austausch mit Gleichgestellten.
Diese Möglichkeit bietet der Arbeitskreis Unternehmerfrauen im Handwerk. „Dort wissen alle, wovon man redet“, ist Edith Wagners Erfahrung. Und: „Man lernt viele neue Möglichkeiten kennen, kann sich Anregungen für Lösungen für den eigenen Betrieb holen“, sagt sie.
Doch die monatlichen Treffen der UFH bieten noch viel mehr. „Es geht darum, die Frauen im Unternehmen weiterzubringen“, sagt Angelika Kirschner. Deshalb stehen regelmäßige Vorträge und Fortbildungen etwa zu Personal- und Buchführung, zur Vorbereitung von Betriebsprüfungen, Vertragsgestaltung und Kündigungsrecht auf dem Programm.
Nicht zu kurz kommen auch weiche Themen wie Farb- und Stil-Beratung, Ernährung oder Gesundheit – „natürlich spielt auch das Äußere eine Rolle, schließlich stehen wir für unsere Betriebe in der Öffentlichkeit“, sagt Angelika Kirschner.
Und noch etwas liegt den Unternehmer-Frauen am Herzen: „Es ist wichtig, unsere Rechte als mitarbeitende Frauen zu kennen“, sagt Edith Wagner. So finden sich im Jahresprogramm Vorträge zur finanziellen Absicherung bei Trennung oder Tod des Partners genauso wie zu Hartz IV.
„Mit der Gesetzesänderung durch Hartz IV wird die Rolle der Unternehmerin im Betrieb stark aufgewertet“, erklärt Angelika Kirschner: Bei Abschluss eines Vertrags mit einer Familienangehörigen wird seit Januar 2005 streng geprüft, ob Sozialversicherungspflicht besteht oder ob die Frau als Führungskraft mit Weisungsbefugnis in den Betrieb eintritt und damit von der Versicherungspflicht befreit ist. „Leider werden zurzeit nur Neuabschlüsse überprüft – dabei müsste unbedingt auch nach den Alt-Arbeitsverträgen gesehen werden“, sagt Angelika Kirschner.
Die politische Entscheidung dazu steht noch aus. „Wir müssen abwarten“, meint Edith Wagner und verweist auf die Möglichkeiten des Unternehmerinnen-Netzwerks: „Hier bauen wir unser Selbstbewusstsein auf.“
Stärkung der Position im Betrieb
Der ArbeitskreisUnternehmerfrauen
im Handwerk Friesland kümmert sich seit 1992 um die Belange der im Handwerk angestellten und selbstständigen Frauen. Rund 60 Mitglieder zählt der Verein.Ziel des UFH
ist, die Position der Frau im Handwerk durch Weiterbildung, Erfahrungsaustausch und Schulungsmaßnahmen zu stärken.Mitglied werden
können nicht nur Handwerksfrauen sondern auch Selbstständige und Unternehmerinnen aller Berufe. Der Mitgliedsbeitrag kostet 70 Euro. Gäste sind zu den Veranstaltungen willkommen.Kontakt:Angelika Kirschner (1. Vorsitzende), Tel. 04463/1429
Hildegard Nöth (2. Vorsitzende), Tel. 04461/70 08 00
Die NWZ -Serie stellt Firmen und Unternehmen vor, die als Mittelständler die Wirtschaft in dieser Region voran treiben.
