FRIESLAND - Über Frieslands Weiden und Feldern können auch in diesem Jahr wieder die Flugkünste der gaukelnden, schlanken Wiesenweihen beobachtet werden, die an der V-förmigen Flügelhaltung und den gebänderten, langen Schwänzen zu erkennen sind.
Das Männchen dieser grazilen Greifvogelart kehrt vor dem Weibchen aus dem Winterquartier in Südafrika zurück und grenzt zunächst mit Schauflügen das Brutgebiet ab. Später wird es dabei vom Weibchen begleitet. In der Verlobungszeit finden bei lauten Rufkontakten Steig- und Rundflüge mit eindrucksvollen Stürzen und Schleifen statt. Bei der spektakulären Beuteübergabe in der Luft fängt die Partnerin z.B. die vom Partner abgeworfene Maus in Rückenlage auf.
Beim Suchflug gleitet das Männchen niedrig über sein Revier und lässt sich plötzlich fallen, um eine Maus, eine Libelle oder auch einen Kleinvogel zu greifen. Während das Männchen die Nahrungsversorgung übernimmt, brütet das Weibchen in 28 bis 30 Tagen ihre drei bis fünf zumeist reinweißen Eier allein aus und verteilt dann die vom Vater zugetragene Beute an die Küken. Mitte Juli werden die Jungvögel flügge, das Nest steht oft auf dem Boden eines Wintergetreidefeldes. Hier droht den Nestjungen aber eine tödliche Gefahr durch Mähdrescher infolge immer früherer Erntetermine. Um die durch den Verlust großer Teile ihrer natürlichen Lebensräume wie Moore, Heiden, Feuchtwiesen und Röhrichte stark dezimierte Vogelart vor dem Aussterben zu bewahren, bemühen sich in Friesland die wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (WAU) und die Naturschutz-Stifting Friesland-Wittmund-Wilhelmsaven um den Schutz der Nester und Gelege. Die Naturschützer der WAU befassen sich mit der Nestsuche. Um jedes gefundene Nest wird ein Bereich von 25 mal 25 Metern mit rot-weißen Stangen gekennzeichnet. Die markierten Flächen bleiben dann bei der Ernte vom Mähdrescher verschont. Dafür erhalten die Landwirte eine Entschädigung aus Stiftungsmitteln.
„Die Zusammenarbeit mit den Landwirten ist ganz hervorragend“, betont Ulrich Appel von der WAU. Auch in diesem Jahr seien bereits Nester entdeckt worden – wenn auch weniger als im Vorjahr. Das Programm helfe den Jungvögeln, ungestört und ungefährdet flügge zu werden.
