FRIESLAND - Es sind meist junge Blau- und Kohlmeisen, die verendet in Nistkästen aufgefunden wurden. Tod durch Vergiftung wird vermutet.

Von Hans Egidius

Der rätselhafte Tod zahlreicher fast flügger Jungvögel unter Blau- und Kohlmeisen sowie Feldsperlingen in den Landkreisen Friesland und Wesermarsch (NWZ berichtete) hat eine nicht erwartete Resonanz in der Bevölkerung ausgelöst. Nach der NWZ -Veröffentlichung, bis dahin hatten sich 14 Anrufer gemeldet, riefen weitere 22 Bürger an, die von ähnlich gelagerten Vorfällen berichteten. In den meisten Fällen handelte es sich um junge Blau- und Kohlmeisen, die kurz vor dem Ausfliegen verendet im Nistkasten vorgefunden wurden. Nur in einem Fall war die Rede von sechs toten Feldsperlingen, die ebenfalls leblos in der Nisthöhle lagen. Alle Meldungen lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Jungvögel von den Altvögeln mit von Pestiziden (Sammelbegriff für Herbizide, Fungizide und Insektizide) kontaminierten Insekten gefüttert wurden und so den Vergiftungstod starben.

Hochgerechnet ergeben sich aus allen bisher gemeldeten 36 Fällen über 200 Jungvögel, die wahrscheinlich an so genannter Sekundärvergiftung eingingen. Dazu erklärte das Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven: „Bei uns sind in diesem Jahr keine ähnlichen Meldungen gehäuft eingegangen. Allerdings ist uns das Phänomen aus vielen Jahren vertraut. Da viele Mitbürger in ihrem Garten Insektenvernichtungsmittel einsetzen, bleiben solche Verluste nicht aus. Allerdings gibt es natürlich auch andere Verlustursachen für Meisenbruten, zum Beispiel Prädation (Selektion durch kletternde oder fliegende Beutegreifer) der Altvögel durch Katzen, die in Gärten herumstreifen, oder durch den Sperber. Außerdem schaffen es bei bestimmter Witterung oder Nahrungssituation die schwächeren Altvögel nicht, ihre Brut ausreichend zu versorgen.“

Auch das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Hannover reagierte auf die gemeldeten Vorfälle. „Es wird notwendig sein, in Zusammenarbeit mit der örtlich zuständigen Veterinärbehörde verendete Vögel pathologisch zu untersuchen, um zu klären, ob ein begründeter Zusammenhang zwischen Pflanzenschutzmitteln und der Todesursache besteht.“ Sollten also weitere mögliche Vergiftungen von Jungvögeln von Bürger festgestellt werden, wäre es sinnvoll, die verendeten Jungvögel für eine spätere pathologische Untersuchung durch Einfrieren zu konservieren. Zuständig für die Durchführung von entsprechenden


Kontrollen ist der Fachinspektionsdienst des Pflanzenschutzamtes in Oldenburg. Die Sachbearbeiter Dr. Döpke und Dr. Lamprecht sind unter Telefon 0441/801 770 zu erreichen.

Bei Hochrechnung lässt sich auf mehr als 200 betroffene Jungvögel schließen