Friesland - Seit acht Jahren herrscht Aufschwung in Deutschland – „der Aufschwung klingt nun langsam aus“, erwartet Tom Nietiedt, Präsident des Arbeitgeber und Wirtschaftsverbands Jade. Doch die Betriebe im Jade-Wirtschaftsraum Wittmund, Friesland, Wilhelmshaven und erstmals Leer berichten von einer noch anhaltend guten Konjunkturlage. Das geht aus der Frühjahrs-Konjunkturumfrage hervor, die der AWV im fünften Jahr erhoben hat. Am Donnerstag stellten das AWV-Präsidium sowie die Wirtschaftsförderer aus dem Harlingerland und Varel sowie erstmals von der Kreishandwerkerschaft Leer-Wittmund die Ergebnisse vor.

Unternehmen optimistisch

Die Unternehmen der Jade-Wirtschaftsregion Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund präsentieren sich zum Jahresbeginn 2019 mit robusten Konjunkturwerten: Die Konjunkturlage ist anhaltend gut, knapp 90 Prozent der befragten Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend.

An der Frühjahrs-Konjunkturumfrage des AWV haben sich 169 Betriebe mit rund 30 000 Mitarbeitern beteiligt. Jeweils rund ein Viertel kommen aus den Landkreisen Friesland, Wittmund und – erstmals – Leer sowie der Stadt Wilhelmshaven. Die Umfrage wurde erstmals digital versandt – die Rücklaufquote ist dadurch massiv gestiegen: 2018 beteiligten sich Betriebe weniger.

Als bremsende Faktoren für weiteres Wachstum nennen die Betriebe: den Fachkräftemangel die Bürokratie bei Ausschreibungen und Beantragung von Fördermitteln, insbesondere der N-Bank die Kita-Betreuungszeiten langsamen Breitbandausbau und mangelhafte Mobilfunknetze

Von den Wirtschaftsförderungen in Friesland, Wittmund, Varel und Wilhelmshaven bzw. den Verwaltungen wünschen sich die Betriebe mehr Information, insbesondere Aufklärung über Förderkulissen mehr Standort-Marketing (etwa durch die Jade-Bay GmbH) Ausbau von Breitband, Mobilfunk und öffentlichem Nahverkehr Erweiterung der Gewerbegebiete

Danach bewerten knapp 90 Prozent der Betriebe, die sich an der Umfrage beteiligt haben, ihre Geschäftslage mit gut und befriedigend. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt: Für die kommenden vier Monate bewerten 32,8 Prozent die Auftragslage als relativ hoch, 53,3 Prozent als ausreichend hoch.

Optimistisch sind die Betriebe auch für die kommenden sechs Monate: 87,1 Prozent erwarten eine weitere Verbesserung ihrer Lage, kein Unternehmen rechnet mit Verschlechterung. Und zwar auch nicht mit Blick auf den Brexit: „Die wenigsten Unternehmen im Jade-Wirtschaftsraum sind international tätig“, erklärt AWV-Vizepräsident Thomas Hohmann, warum 80,7 Prozent der Betriebe keine Beeinträchtigung ihrer Geschäftstätigkeit durch den Austritt Großbritanniens aus der EU befürchten.

Allerdings: Die Betriebe, die mit GB zu tun haben, erwarten, dass der Austausch nach dem Brexit komplizierter wird . Und es besteht Sorge um Mitarbeiter mit britischem Pass.

Die optimistische Stimmung in den Betrieben – und das in den vergangenen Jahren gestiegene Eigenkapital – steigert offenbar auch den Investitionswillen: 28,1 Prozent wollen ihr Budget für Investitionen erhöhen – 2018 waren es 22,5 Prozent –, 62,5 Prozent gaben an, ihr Investitionsvolumen beizubehalten. „Das niedrige Zinsniveau ist kein Hindernis für Investitionen“, schlussfolgert Varels Wirtschaftsförderer Dietrich Kück daraus.

Denn zugleich verzeichnen die Betriebe deutliche Kostensteigerungen: Durchschnittliche Personalkostensteigerungen von 5,32 Prozent und Materialkostensteigerungen von 4,7 Prozent. 44 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie deshalb ihre Preise erhöhen werden.