Friesoythe - Als das Aquaferrum im Herbst 2014 vom ehemaligen Bürgermeister Johann Wimberg in Betrieb genommen wurde, plante die Stadt mit 70 500 zahlenden Schwimmbadbesuchern pro Jahr – ohne Saunabesucher. Ein Jahr später die Ernüchterung: Gezählt wurden im ersten Betriebsjahr lediglich 40 000 Gäste, inklusive der Teilnehmer der Schwimm- und Aquakurse.

„Der schwache Zuspruch war schon etwas ungewöhnlich, weil man bei einer neuen Einrichtung oder Erweiterungen für das erste Jahr nach Eröffnung immer von einem sehr hohen Besucheraufkommen ausgeht“, sagte Heidrun Hamjediers. Sie ist seit April 2015 Geschäftsführerin der Wirtschaftsbetriebe Stadt Friesoythe GmbH (Wibef). Die Gesellschaft gehört zu 100 Prozent der Stadt Friesoythe, und über sie wird das Bad betrieben.

Das ist die Wibef

Gründung: Vorgängerin der Wibef war die Friesoyther Stadtentwicklung GmbH (Frieseg). Sie wurde 2002 gegründet. Alleinige Gesellschafterin ist die Stadt Friesoythe. 2014 wurde das Unternehmen umfirmiert in Wirtschaftsbetriebe Stadt Friesoythe GmbH. Geschäftsführerin ist die Erste Stadträtin Heidrun Hamjediers.

Aufgabe: Die Rathäuser am Stadtpark und Stadtmitte gehören als sogenannte Liegenschaften zur Gesellschaft und sind an die Stadt Friesoythe vermietet. Außerdem hat die Gesellschaft 2010 und 2011 mehrere Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden errichtet. Auch eine 6,3-Millionen-Euro-Beteiligung an der Kommunalen Netzbeteiligung Nordwest (KNN) ist dort angesiedelt. Seit 2014 ist die Wibef auch Betreiberin des Schwimmbades Aquaferrum.

Die Zahlen, die Hamjediers jetzt für 2019 vorgestellt hat, sehen da schon anders aus. „Die 60 000er Marke konnte geknackt werden“, freute sich die Wibef-Geschäftsführerin. Exakt wurden 60 349 zahlende Besucher gezählt. Dieses Ergebnis sei auch auf die gute Resonanz bei den Schwimmerkursen zurückzuführen, die mittlerweile von den Fachangestellten des Allwetterbades selbst durchgeführt werden.

Die Gesamtbesucherzahl einschließlich des Schul- und Vereinssports betrug nach Angaben der Wibef im Jahr 2019 knapp 85 000. Trotz dieser erfreulichen Zahlen sei man stets damit beschäftigt, das Aquaferrum noch attraktiver zu machen.

Wie das gelingen könnte, soll in der nächsten öffentlichen Gesellschafterversammlung am Mittwoch, 12. Februar, 19 Uhr im Rathaus am Stadtpark erörtert werden. Dr. Klaus Batz von der Nürnberger Beratungsfirma con.pro GmbH wird eine Studie vorstellen, in der Wege aufgezeigt werden, wie man das Allwetterbad attraktiver gestalten kann. „Darin enthalten ist natürlich auch der Bau eines Bewegungsbeckens, das sich die Rheumaliga dringend wünscht und ebenso dringend benötigt, um ihr Angebot in Friesoythe aufrecht erhalten zu können“, sagte Hamjediers, die bereits einen Blick in die Studie werfen konnte.

Wie die Geschäftsführerin weiter mitteilte, habe sich auch die finanzielle Situation des Aquaferrums etwas entspannt. Die Stadt hatte sich verpflichtet, jährlich einen Betrag von bis zu einer Million Euro als Verlustausgleich für den Schwimmbadbetrieb an die Wibef zu zahlen. Diese Summe, genauer gesagt Steuergeld, musste auch ausgereizt werden.


„In den letzten Jahren mussten noch einige finanzielle Belastungen bereinigt werden“, sagte Hamjediers. Dazu zählten ihren Angaben zufolge insbesondere die Aufhebung teurer Betriebsführungsverträge und des Investorenvertrags mit der Firma Depenbrock, die das Schwimmbad gebaut hat. Der Nettozuschuss sieht demnach für 2020 eine Summe von 800 000 €Euro vor. Also 200 000 Euro weniger als in den Vorjahren.

Dass die Stadt trotzdem noch eine Million Euro für dieses Jahr im Haushalt vorgesehen hat, sei unter anderem dem Umstand geschuldet, dass die Wibef in 2020 einige Investitionen tätigen soll.

Dazu zählt zum Beispiel der Ausbau des Dachgeschosses im Rathaus am Stadtpark. Der Ausbau soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Gesamtkosten dafür liegen bei 150 000 Euro. In dieser Summe ist der Bau eines Fahrstuhls, der außerhalb des Gebäudes installiert werden muss, noch nicht enthalten.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)