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BEVÖLKERUNG Engagierte Helfer für bessere Integration

ANNIKA VOßEN

FRIESOYTHE - „Stadt mit Herz und mit netten Leuten“ – diesem Slogan ihrer Heimatstadt Friesoythe kann Maria Maul voll und ganz zustimmen. Bei der Durchfahrt hat sie sich in den Ort verliebt, vor fünfzehn Jahren zog die Familie an die Soeste. Die Friesoyther kennen Maria Maul als ehemalige SPD-Ratsfrau, als Mitarbeiterin im SPD-Büro und als engagierte Vorsitzende des Ortsverbands des Vereins ZMO (Zusammenarbeit mit Osteuropa). Maul ist inzwischen ein Vorbild für eine gelungene Integration in Friesoythe. Dabei ist sie erst 1992 als 27-Jährige mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern vom sibirischen Omsk nach Deutschland gezogen. Die Familie musste hier wieder bei Null anfangen – sie konnte in Russland kein Geld umtauschen.

Das Leben ihrer Eltern im tiefen Osten der damaligen Sowjetunion war noch von wirklichen Repressalien geprägt. „Man hatte Nachteile in der Schule oder an der Hochschule, wenn in dem Pass neben der Staatsangehörigkeit ’russisch’ noch die Nationalität ’deutsch’ stand.“ Maria Maul selbst hat das nicht mehr miterlebt. Doch Deutschland sei für sie immer ferne Wunschheimat gewesen, sie habe sich immer als Deutsche gefühlt.

2002 gehörte Maul zu den Gründungsmitgliedern des Vereins ZMO in Friesoythe, der sich um die Verbesserung der Integration bemüht. Der Verein hat inzwischen 150 Mitglieder. „Vom Altersdurchschnitt gesehen ist alles dabei – ganz junge und ganz alte.“ Die meisten sind Aussiedler oder Spätaussiedler, die sich eine neue Existenz in Deutschland aufbauen mussten oder noch müssen. Für sie bietet der ZMO eine wöchentliche Sprechstunde im Rathaus an, bei der die Älteren Hilfe bei Rentenanträgen bekommen und die Jüngeren sich zu Themen wie Bafög erkundigen können. „Die Sprechstunden sind immer noch gut besucht“, so Maul, die selbst bis vor zwei Jahren Ansprechpartnerin war.

Das Zusammenleben in Friesoythe verbessern will auch der Präventionsrat. „Integration ist aber keine Einbahnstraße“, sagt Johannes Petri, Stellvertretender Vorsitzender des eingetragenen Vereins. Aussiedler müssten ernst genommen und nicht ausgegrenzt werden, fordert Petri, der selbst als Spätaussiedler vor über zehn Jahren nach Friesoythe kam und sich seit sechs Jahren im Präventionsrat engagiert. Er kritisiert, dass die beruflichen Abschlüsse von Aussiedlern oft nicht anerkannt würden. „Der Ingenieur muss dann vom Arbeitsamt aus eine Ausbildung zum Metallbauer machen.“ Das sei demütigend und degradierend. „Wenn die Menschen aber zufrieden von der Arbeit nach Hause kommen, sind sie motiviert und engagieren sich viel eher“, sagt der Schulsozialpädagoge.

Petri freut sich, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für drei Jahre einen Streetworker finanziert und dass der jetzt auch ein eigenes Büro für Sprechstunden in der Moorstraße hat. Weiter kämpft er für einen Jugendtreff und einen Volleyballplatz.


„Man sollte nicht alle Aussiedler oder Fremden über einen Kamm scheren“, sagt er. Maria Maul verwendet ein ganz ähnliches Bild: „Ich wünsche mir, dass die Leute noch weniger Vorurteile haben und nicht alle gleich in eine Schublade stecken.“

Die Geschichte der RusslanddeutschEN

Der Begriff

bezeichnet eine ethnisch deutsche bzw. deutschstämmige Minderheit in Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken

(z.B.

Wolgadeutsche).

Deutsche Siedler zogen ab dem

18. Jahrhundert

auf Einladung von Zarin Katharina II. in das Russische Reich, um unbewohnte Landstriche zu kultivieren. Sie erhielten einen politischen Sonderstatus.

Nach dem Angriff Hitlers warf Stalin den Russlanddeutschen

kollektive Kollaboration

vor. Über eine Million Menschen wurden nach Sibirien und Zentralasien deportiert

.

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