FRIESOYTHE - „Und nun die Wettervorhersage für morgen...“ – war in den letzten Wochen für die meisten Menschen ein Grund, Fernseher und Radio auszuschalten – oder sich gleich wieder die Decke über den Kopf zu ziehen. Denn der „Sonnenschein von Juni bis September“ war bislang von fantasievoll benannten Tiefausläufern verhangen. Ganz Deutschland leidet unter den wechselhaften Temperaturen und gefühltem Dauerregen. Ganz Deutschland? Nein, einige profitieren sogar von den Wolken am Himmel.
Sonnenstudio gewinnt
Über deutlich mehr Kundschaft im Vergleich zum Vorjahr freut sich Johanna Lanwer. „Gerade an Regentagen brauchen die Leute Licht und Wärme“, berichtet die Friesoyther Sonnenstudioinhaberin. Die meisten kämen, um sich vor dem Urlaub „vorzubräunen“, verrät die 61-Jährige. Zu den Gewinnern der Wetterlage gehören auch die Hallenbäder. „Normalerweise ist zwischen Mai und Juni wenig los – wenn der Sommer grade beginnt, sind alle ganz wild auf Badesee und Fahrradtouren. Dieses Jahr aber waren wir durchgehend gut besucht“, weiß der Böseler Matthias Raker aus seiner 27-jährigen Erfahrung als Schwimmmeister zu berichten. An den „Warmbadetagen“ war zum kalendarischen Sommeranfang ebenso viel Betrieb, wie im kalten Januar.
Über zu wenig Arbeit kann sich auch sein Friesoyther Kollege Thomas Böckmann nicht beklagen. Das liegt allerdings mehr an seinen Gärtner- und Renovierungsaufgaben, als an einer guten Freibadsaison. „An manchen Tagen sind hier keine fünf Leute im Wasser“, berichtet der 32-Jährige, „dann repariere ich zwischendurch etwas in der Halle oder mähe den Rasen“. Der nämlich wachse bei dem Regen überdurchschnittlich gut, lacht er. Über Langeweile könne er sich nicht beklagen, obwohl es ihm am liebsten sei, wenn gleich am Morgen schon eine Schlange von Schwimmern vor der Tür auf ihn warte. Die Hoffnung gibt der Garreler jedoch nicht auf. „Die Sommerferien sind ja noch lang – und es soll besser werden“, erklärt er optimistisch.
Pool als Ladenhüter
Dass nach Regen auch wieder Sonnenschein kommt, weiß vor allem Dennis de Martin vom Friesoyther Eiscafé „Venezia“ zu schätzen. „Dann stürmen die Leute erst recht den Laden“, erzählt der 30-Jährige und blickt auf eine insgesamt positive Bilanz zurück. Zu warm dürfe es ohnehin nicht sein – sonst schmelze das Eis weg. In diesem Jahr will die Familie sogar bis Ende Oktober im kühlen Norden verharren und auf Sonne hoffen.
Aufgegeben haben das inzwischen die Baumärkte. „Bundesweit haben wir schon Einbußen beim Verkauf von Gartenmöbeln und Pools gehabt“, erzählt Torsten Kemper vom Friesoyther Baumarkt BBM. Ungewöhnlich früh, bereits vor zwei Wochen, habe der Schlussverkauf begonnen.
Merklich profitieren konnte Holger Pekeler mit seiner Barßeler Buchhandlung von den ungemütlichen Temperaturen. „Gerade Urlauber haben sich in den letzten Wochen oft mit Lesestoff versorgt“, berichtet er. Einen Wermutstropfen allerdings gibt es auch für ihn: „Alle sprechen vom Wetter wenn sie in den Laden kommen – mehr als über Bücher“.
